#Gastbeitrag: Plötzlich Außen-Mama

Dieser #Gastbeitrag stammt von der reichlich twitternden Tanja Tollpatsch 🙂 Sie schreibt über ihre Erfahrungen mit dem Kaiserschnitt. Ihr Bericht zeigt deutlich, was Frauen in dieser Situation gut tun würde: Verständnis, Zusprache und natürlich Zeit. Man braucht Zeit, um ihnen die Angst zu nehmen, man braucht Zeit, um ihnen zu erklären, was passieren wird, man braucht Zeit, um eine gute Geburtshilfe gewährleisten zu können. Leider wird daran heute immer weiter gespart. Bedauerlich…


Am besten Sie fahren nun ins Krankenhaus…

„Am besten Sie fahren nun ins Krankenhaus, ich empfinde das Fruchtwasser als etwas zu wenig. Da Sie auch keinerlei Wehentätigkeit haben, sollen die mal mit den neueren Geräten schauen, ob es dem jungen Mann gut geht und er noch genug Wasser und Platz hat. Schließlich ist er ja groß und schwer.“

sagte die Frauenärztin und erklärte dem Ehemann und mir noch ein paar Einzelheiten. Toll das hat mir gerade noch gefehlt! Ich will nicht ins Krankenhaus und eine Einleitung will ich schon 3x nicht haben – bin der Meinung, dass der Sohn sich auf den Weg macht, wenn ER soweit ist und nicht weil Datum X erreicht ist.

Ich rufe mal eben im OP an…

Also erstmal nach Hause, meinen Eltern Bescheid gesagt und ab zum KH. Dort angekommen, wurde ich auf den Kopf gestellt, um anschließend zu erfahren:

„Sie lassen wir heute nicht mehr nach Hause! Ihr Kind ist sehr schwer und groß. Eine Geburt auf natürlichen Weg könnte dem Kind einen Schaden zufügen oder Ihnen. Das Risiko, dass Sie heute Nacht hier mit Wehen stehen und es irgendwann nicht mehr weiter geht ist sehr hoch und dass werde ich nicht verantworten. Ich besorge Ihnen nun ein Bett und Sie werden ihr Kind heute bekommen, ich rufe mal eben im OP an!“

Öh watt?! Moment mal, WAS?!?!!
Der beste Mann von allen, mein absoluter Ruhepunkt – mein Fels in der Brandung – schaut mich unsicher an. Woahhr geht gar nicht und ich bekomme Angst und Panik steigt auf. Nee Leute, nix Kaiserschnitt und nix heute. Sohn ist nicht bereit!

Sie werden dazwischen geschoben…

Die Hebamme Nr. 1 an diesem Tag erklärte mir, dass alles voll ist und ich im Vorraum von irgendwas noch einmal ans CTG muß. Super, das letzte ist nicht einmal 30 Minuten her und ich will nicht mehr liegen! Laune schon kurz vorm Explodieren… CTG zeigt wie immer nix an und ich werde auf die Station verfrachtet mit dem Hinweis:

„OP weiß Bescheid, bleiben Sie in der Nähe, Sie werden dazwischen geschoben. Ach ja, essen und trinken Sie bitte nichts mehr.“

HALLO?! Draußen sind über 35 Grad und ich hatte seitdem sehr frühen Morgen nichts mehr zu Essen gehabt. Und das fördert meine, ohnehin schon schlechte, Laune nicht. Zumal auch irgendwann das Krankenhaus-Essen lecker riecht – so weit ist es also schon gekommen… Hebamme Nr. 2 kam, um sich vorzustellen (Schichtwechsel) und erlaubt mir wenigstens das Trinken.

Ich fühlte mich überrollt – überfahren

Zwischendurch bin ich immer mal mit dem Mann raus, da war die Luft um Welten weniger stickig und drückend. Draußen bekam ich dann einen Rappel und wollte mich schon selber entlassen. Ich fühlte mich überrollt, überfahren und es ging mir alles viel zu schnell! Ich war nicht bereit um Mama zu werden. Das geht mir alles viel zu schnell und wir sollten den Plan doch nochmal überdenken, ohne Kind war unser Leben doch auch schön – mein Mann meinte nur: „Dafür ist es nun zu spät!“ Hmpf! Manchmal hasse ich mein Mann, dafür dass er Recht hat und mich nicht einfach rotieren lässt😉

Endlich nimmt sich jemand Zeit für uns

Mittlerweile bringt man mir mein Abendessen. Und nimmt es mir wieder weg! Man fragt lieber noch einmal nach, ob die OP heute noch klappt. Klappt, nur wann weiß man nicht, ist ein Notfall aus einem anderen KH reingekommen. Ich bin echt sauer und will gar nix mehr, nur noch nach Hause! Nach dem Schichtwechsel stellt sich dann Hebamme Nr.3 vor und eine Kinderkrankenschwester ist auch dabei. Überraschung! Es gibt mal wieder ein CTG. Vorhersehbare Stille auf den Wehenschreiber. Beide sind super lieb zu uns und fangen an Dinge ausführlich zu erklären und nehmen sich Zeit. Zeit die sie eigentlich nicht haben, da auf Station der Papst im Kettenhemd boxt. (So viele Frauen auf Station das aus 2 Bett Zimmer schon 4 Bett Zimmer gemacht wurden!)

Der Mann muss draußen bleiben…

Und dann geht’s auf einmal Zack Zack und ich werde für den Kaiserschnitt vorbereitet.
Bei der Nachricht, dass der Mann im Kreißsaal warten muß und nicht mit in den OP darf, werde ich wieder sauer und würde am liebsten heulen. Aber nun gut, ist nicht änderbar und so kann er dann unsere Eltern anrufen und zum Millionsten Mal den Status durchgeben.

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Der erste Schrei❤

Die Hebamme ist wirklich lieb und erklärt mir alles, stellt mir das OP Team vor und erklärt mir dann Schritt für Schritt den Ablauf und auch was passiert, wenn der Sohn aus meinem Bauch ist. Mittlerweile habe ich gute Laune! Ich sehe in wenigen Minuten meinen Sohn! Endlich kommt er da raus und ich habe meinen Körper wieder für mich – zumindest unterhalb der Haut 😂 Ich scherze mit den Ärzten und der Narkose-Doc erzählt mir, was passiert. Meine Hebamme steht in Sichtweite und ich fühle mich wohl. Kann losgehen Jungs! Der Narkose-Doc stellt mir eine Frage, und während ich antworte macht er:

„Psst, hören Sie“

Und da ist er! Der erste Schrei von meinem Sohn!!! Laut und deutlich. Kurz beschwert er sich über das Geweckteren. Die Hebamme hält ihn mir hin und ich kann ihn nicht berühren, weil ich so liege als sei ich ans Kreuz genagelt! Maaa so war das nicht geplant ey! Also drückt sie ihn mir kurzerhand ans Gesicht und ich kann ihm den ersten Kuss seines Lebens aufdrücken. Sie bringt ihn nun zu Papa und ich weiß, dass er gut aufpassen wird und unseren Sohn knuddelt. Während dessen werde ich zu gemacht und scherze weiter mit den Team, die Herren haben gleich (endlich!) Feierabend und dürfen nach einem langen Tag endlich Heim.

Und plötzlich Außen-Mama

Irgendwie ist mir zwar bewusst, dass ich nun auch Außen-Mama bin, aber so wirklich realisiert hab ich das noch nicht. Bald holt mich die Hebamme ab und bringt mich zu meinen Männern. Männern! Plural,ich habe nun zwei davon.Den Ehemann und den Sohn – woooaaarrr was für ein Gefühl 😍 Unterwegs erzählt sie mir noch, dass mein Schwager sich reingeschlichen hat – typisch für ihn und ich freue mich. Ich bekomme mein Baby auf die Brust und schaue ihn einfach nur an und an und an und an…
Er macht auch die Augen auf und schaut zurück, weint nicht, knatscht nicht, ganz lieb. Er scheint sich mich genau so einzuprägen, wie ich ihn mir. Und dann muss ich schlucken, denn weinen will ich eigentlich nicht. 😉

Die erste Nacht

Nach einiger Zeit im Kreißsaal werden wir ins Zimmer umgesiedelt. Da der Mann total fertig ist, schicke ich ihn Heim. Ein Familienzimmer gibt es leider nicht wegen der Überfüllung. So muss der Sohn leider in der ersten Nacht ins Kinderzimmer, ich kann mich beim besten Willen nicht um ihn kümmern. So liege ich dann nach diesem Hammertag allein im Bett:
Bauch weg, Sohn weg und Mann weg!
Ich weine…


Und wie war es bei euch? Hatte ihr auch einen mehr oder minder ungeplanten Kaiserschnitt gehabt? Habt ihr euch gut betreut und verstanden gefühlt? Hatte man genügend Zeit für euch oder aber hattet ihr das Gefühl allein gelassen zu werden – ohne Beistand, ohne Erklärungen. Ich bin gespannt wie es euch ergangen ist.

*EURE MOTHER BIRTH*

#Angst #Baby #Gastbeitrag #Hebamme #Kaiserschnitt #Sectio #Krankenhaus #Mama #OP #Zeit

 

{23} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von Tanja Tollpatsch

Der #Gastbeitrag von Tanja Tollpatsch zeigt, dass Muttermilch nicht nur über die Brust seinem Kind geben kann, sondern auch über die Flasche. Jedes Stillpaar muss und sollte seinen eigenen Weg finden können – ohne Vorurteile und Anschuldigungen. Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“, sondern nur:

unsere individuelle Lösung.

Und DIE ist immer richtig😉 … Also nicht verurteilen und bewerten, sondern offen sein, nach Hintergründen fragen und versuchen sich in sein Gegenüber hinein zu versetzen. Das hilft unheimlich, um gegenseitiges Verständnis haben zu können – und genau DAS ist es doch, was wir stillenden und Flasche gebenden Mütter wollen: VERSTÄNDNIS für unsere Lösung, für unsere Entscheidung


Nein, meine Brust trink ich nicht!

Oder: Was die kleine Piepsstimme dazu sagen würde…

Die Unbekümmertheit der Ahnungslosen…

„Nachdem Ihnen das Baby auf die Brust gelegt wird,wird es sofort mit dem saugen beginnen.“

So, oder so ähnlich, liest man es oft und/oder bekommt jede Mama es erklärt. Klasse! Stillen funktioniert quasi von allein – dachte ich! Und eine kleine Stimme im Hinterkopf piepste fragend:

„Warum gibt es dann Stillberaterinnen? Ließ doch mal zu dem Thema…“

Egal, Stimmchen bekam ein Tuch im den vorlauten Mund gestopft und ich verschwendete keinen Gedanken mehr daran.

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Stillen sieht ja auch so easy aus…

Der Sohn meiner Cousine kam zur Welt und ich konnte sehr oft sehen, wie leicht es ist sein Kind zu füttern und wie viel Geld sie spart! Auch nachts, schön im Bett stillen und keine Flaschen machen zu müssen.
Das mach ich auch! Stillen ist praktisch und ich bin von Natur aus fau äh praktisch veranlagt… Dann kam mein Sohn und als er auf meiner Brust lag, machte er mir schöne Augen, von allein wollte er nicht anfangen zu saugen – hat wohl keinen Hunger, egal erstmal kuscheln 😍
Später wurde er unruhig, also habe ich versucht ihn anzulegen – er saugte ein oder zwei mal, drehte dann aber den Kopf wieder weg, um sich alles anzusehen. Wieder anlegen, nicht einmal saugen wollen, sondern Blicke von ihm, die mir einen Vogel zeigten.

Die Piepsstimme in meinem Hinterkopf lachte sich heiser…

So ging das Spielchen eine ganze Weile. Auch die Hebamme schaffte es nicht, den Sohn zum Trinken zu bewegen, indem sie uns anders lagerte oder den Trinkreflex auslöste. Er wollte sich nur alles ansehen.
Um uns zu beruhigen und um uns zu vergewissern das er keine Probleme mit dem Trinken hat, gab es eine Flasche mit Pre – die er auch quasi inhaliert hat. Also keine Probleme und hungrig war er auch nicht mehr. Schaute sich aber alles und jeden an. Am anderen Morgen stand dann eine Stillschwester an meinem Bett.

Das blöde piepsige Stimmchen feierte eine Party in meinem Hinterkopf…

Da müssen „Fachleute“ ans Werk…

Die Stilldame faselte was von:

„Der braucht ein bisschen Starthilfe, dann klappt das schon!“

Pustekuchen, der Sohn wollte nicht, wie sie wollte. Zu bunt wurde es mir, als sie meinen Sohn zwang den Kopf zu drehen! Irgendwann war die Tante weg und es erschien die nächste und die nächste… Irgendwer drückte mir Stillhütchen auf die Brust, denn damit MUSS es ja klappen… Nö, 2-3 mal saugen und dann wieder umherschauen was es zu entdecken gibt.

Mama hat nen Plan – das Baby auch!

Man war ich genervt! Mit dem Mann den Plan gefasst, es Zuhause in Ruhe zu schaffen, denn die Zimmer-Nachbarin bekam Besuch über Besuch, im Stillzimmer watschelte immer die Fotografin rein und im Abpump-Eckchen war es auch so wuselig, dass der Sohn immer zu umhersah, um ja nix zu verpassen. Als wir dann Zuhause ankamen, machte das Baby uns schnell klar, dass er auch hier nur schauen will, aber nicht dabei an der Brust sein und trinken möchte…

Also pumpte ich ab und gab die Muttermilch über die Flasche. Legte ihn dennoch immer wieder an, um ihn vielleicht doch zum Stillen zu überreden – aber es änderte sich nichts: er wollte schauen. Im Gegenteil: wir wurden beide frustrierter, also ließ ich es bleiben und wir gaben Flasche.

Das Umfeld – zwischen den Stühlen

Was mich aber sehr verletzte, war das Umfeld! Teils fremde Frauen gingen mich an und unterstellen mir eine böse, unfähige Mama zu sein, die ihrem Kind was sehr schlimmes antut! Und ja, sie stocherten damit in einer Wunde, in der ich selber täglich den Finger steckte… Zumal der Sohn mit annähernd 5 kg auf die Welt kam, musste er auch noch als schlechtes Beispiel für böse Pulvermilch herhalten. Das in der Flasche Muttermilch war, das interessierte kaum jemanden. Kann ja viel erzählen diese komische Frau… Es verstand niemand, dass der Sohn sich lieber alles anschaute, als sich bequem volllaufen zu lassen – heute ist er noch immer so: wenn etwas sein Interesse weckt, ist das Essen vergessen. Die andere Seite fragte mich dann immer:

„Warum tust du dir das an? Ist doch viel zu viel Stress,nimm Pulver!“

Man kann es einfach niemanden recht machen, aber alle können einen verunsichern. Gerade als Erstlingsmama weiß man nicht ob alles so seine Richtigkeit hat und ist schnell verunsichert. Ich habe lange gebraucht, um mir nicht alles zu Herzen zu nehmen, sondern mein bzw. unser Ding durchzuziehen.

Und soll ich euch was verraten?
Beim nächsten Kind mach ich es auch so!
Aber diesmal habe ich ein dickeres Fell und werde Kontra geben!


Hier findet ihr die ersten 22 #Anekdoten zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit


Vielleicht habt ihr auch eine nette kleine oder größere #Anekdote zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure #Anekdote bei mir als #Gastbeitrag teilen würdet! Hab ihr Lust? Dann meldet euch gerne per Mail bei mir unter: motherbirth@gmx.de!!! Ich freue mich❤

*EURE MOTHER BIRTH*

#Anekdote #Öffentlichkeit #Stillen #Gastbeitrag #Stillberaterin #Flasche #pumpen #Muttermilch #Vorwürfe #Unterstellungen #Stillhütchen

#Gastbeitrag: Mein Weg zur selbstbestimmteren Geburt – Von der Antilope zur Löwin

Diesen #Gastbeitrag hat für euch die liebe Ella von Herzkind-Mama geschrieben. Ein wirklich starker Text, der zum Nachdenken anregt. Wie schaffe ich ein für mich sicheres Umfeld zur Geburt und welches könnten Störfaktoren sein? Fragen, die man sich schon in der Schwangerschaft stellen sollte! Warum erfahrt ihr im Text.
Warum wir im Kreissaal zur Löwin werden müssen

Warum wir im Kreißsaal zur Löwin werden müssen

Umdenken

Angst vor der Geburt? Pah, ich doch nicht! In meine erste Geburt bin ich vollkommen angstfrei gegangen. Ich hatte mir viele positive Geburts-Videos und Filme angesehen und dachte : Was diese Frauen können, kann ich auch. Ich war der Überzeugung, dass die Hebammen im Kreißsaal, die schon hunderte Geburten betreut hatten, mich am besten unterstützen können und dass ich ihnen vertrauen kann. Das war ein Fehler! Nach der Geburt war ich natürlich glücklich mein Baby in den Armen zu halten. Aber die Geburt hatte einen bitteren Beigeschmack. Tief in mir drinnen war ich sehr unzufrieden . Mein Kind war gesund, ich war (bis auf einen Dammriss, der genäht wurde) gesund. Aber meine Würde war verletzt. Erst als ich zwei Jahre später vor meiner zweiten Geburt das Buch “HypnoBirthing“ von Marie F. Morgan las, wurde mir so richtig klar, was bei meiner ersten Geburt schief gegangen war. Und was ich anders machen konnte, damit es bei meiner zweiten Geburt besser laufen würde. Hierbei geht es mir nicht um die im Buch beschriebenen Entspannungs-Methoden, sondern Marie Mongan’s spannenden Vergleich zur Tierwelt, weshalb eine Geburt natürlicherweise ins Stocken kommen kann. Und warum das für uns genauso gilt, wie für die Antilope…

Die Gebärende als Antilope

Ich zitiere hier nicht, sondern schreibe aus meiner Erinnerung, wie ich es in Mongan’s Buch gelesen habe:

Wenn eine Antilope während der Geburt von einem Löwen/einer Löwin
angegriffen wird, dann wird der Geburtsvorgang auf natürliche Weise unterbrochen, bis die Stresshormone der Antilope weniger werden und ihr signalisieren, dass sie in Sichrheit ist.

Auch wir müssen uns als Gebärende in Sicherheit fühlen, damit die Geburt voranschreiten kann. Alles was bei und Stress auslöst, ist während der Geburt kontraproduktiv. Wie die Antilope wollen wir unser Kind in einer sicheren Umgebung, entspannt zur Welt bringen.

Die Hebamme als Löwin

Im Kreißsaal kann die Hebamme für uns (als Gebärende) in die Rolle der Löwin schlüpfen. Wenn sie uns zum Beispiel (wie bei mir passiert) dazu auffordert, Runde um Runde durch den Kreißsaal zu laufen, um die Geburt voranzutreiben. Bei mir hat dieses Herumlaufen nichts bewirkt, bis auf dass es mich geschwächt und Stress in mir ausglöst hat. Aber natürlich hört man auf das, was die Hebamme sagt, denn sie muss es ja schließlich wissen. Nein! – Bitte hört auf das, was euer Körper euch sagt. Ich selbst wollte während der Wehen am liebsten Stehen und mich irgendwo festhalten. Auf dem Rückenliegen war das schlimmste. Aber auch dazu wurde ich immer wieder gedrängt. Ich hatte nicht die Kraft “Nein!” zu sagen: Wer will sich schon während der Geburt mit den Hebammen anlegen?

Selbst zur Löwin werden?

Wer eine selbstbestimmte Geburt will, muss wohl leider manchmal zur Löwin werden. Das ist mir bei meiner zweiten Geburt gelungen. Denn ich habe mich nicht mehr von der Hebamme in die Rückenlage drängen lassen. Sondern die Zähne gefletscht ;-) Für die zweite Geburt blieb ich während der Austreibungsphase in der Seitenlage. Mein Mann hielt mein Bein nach oben. Und als das nicht mehr ging, wollte die Hebamme mich wieder in die Rückenlage verfrachten. Aber ich schlug vor, dass wir doch das Bein in die Stoff-Schlaufe legen können, die über dem Geburtsbett an der Decke hing (wieso musste ich eigentlich erst auf die Idee kommen?). So hatte ich bei dieser Geburt keinen Dammriss, konnte als meine Tochter geboren war, gleich aufstehen und wir durften nach 4 Stunden das Krankenhaus glücklich verlassen (= ambulante Geburt).


Ich kann es nur bestätigen: als gebärende Frau sollte man eine Löwin sein und keine Antilope! Das macht manchmal schon den Unterschied aus, ob man selbstbestimmt gebären kann/darf.

Wie war es bei euch? Wart ihr eine Antilope oder doch eher eine Löwin? Vielleicht habt ihr ja auch eine solche Transformation hinter euch und seid von der Antilope zur Löwin geworden? Ich bin gespannt auf eure Geschichten!

 

*EURE MOTHER BIRTH*

#Gastbeitrag #Geburtserfahrung #Hebamme #Hypnobirthing #selbstbestimmt #Sicherheit #Stress #Geburt

{22} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von sandra-schindler-schreibt

Ich freue mich sehr, dass Sandra von sandra-schindler-schreibt in ihrem #Gastbeitrag uns ihren kleinen Milchvampir vorstellt, dem sie sogar jetzt noch ein Buch gewidmet hat. Eine tolle Art und Weise eine wundervolle Stillbeziehung zu würdigen, die mit einer großen Portion Selbstverständnis gelebt wurde – von beiden Seiten😉 … Ich würde übrigens mein beiden Kinder auch als Milchvampire bezeichnen. Und jetzt verrate ich euch mal ein gut gehütetes Geheimnis: NotYet hieß bei uns bestimmt bis zu seinem 1. Geburtstag – na, ratet mal! – genau: MILCHVAMPIR.🙂 Deshalb bin ich schon gespannt auf das Buch! Ich will mehr lesen… Und wie schauts bei euch aus? Habt oder hattet ihr auch kleine Milchvampire zu Hause?


Stillen in der Öffentlichkeit: zwischen Selbstverständnis und Tabu

Wie mein erstes Mal Stillen in der Öffentlichkeit war? Keine Ahnung, ich kann mich nicht daran erinnern – also muss es ziemlich unspektakulär gewesen sein. Ich gehörte nicht zu den Müttern, die ein Geheimnis ums Stillen machten. Aber ich kenne sie schon, diese Frauen, die sich verstecken, aus Angst davor, von der Gesellschaft stigmatisiert zu werden. Denn viele Menschen empfinden das Stillen als Tabu, als etwas, was man nur im Verborgenen tun darf, weil es ja irgendwie unnatürlich ist. Genauso unnatürlich, wie das Kind zu Hause zu bekommen oder es im eigenen Bett schlafen zu lassen.

Warum ist das Denken in der Hinsicht eigentlich bei vielen so fürchterlich konservativ? Ich vermute, es hängt mit der Generation der Großeltern unserer Kinder zusammen, also mit unseren eigenen Eltern. Denn die wuchsen in einer Welt der von der (Nach-)Kriegszeit geprägten Tabus auf: Kinder muss man schreien lassen, man darf sie nicht verwöhnen, indem man auf ihre Bedürfnisse eingeht. Und diese Denkweise hat sich auch in vielen Köpfen unserer Generation festgesetzt.

Über Peinlichkeiten – Dinge sollten beim Namen genannt werden

Ist euch schon mal aufgefallen, dass nicht wenige Leute nicht in der Lage sind zu sagen:

„Ich geh jetzt mal aufs Klo!“?

Sie sagen stattdessen sowas wie:

„Ich bin mal kurz weg!“

Gut, ob man jetzt im Geschäftsleben so deutlich sein möchte, wie man sein könnte, das bleibt jedem selbst überlassen, aber gegenüber den (Enkel-)Kindern – die dann womöglich entgeistert auf die Mama zugestürzt kommen und fragen:

„Wo ist denn der Opa hin? Er hat gesagt, er ist mal kurz weg, aber wohin ist er denn gegangen?“

Sei mal ehrlich!

Genau wie bei der ängstlichen Einstellung gegenüber Hausgeburten und Familienbetten sowie dem Klothema plädiere ich beim Stillen für Ehrlichkeit – und die beinhaltet für mich, dass ich meinem Kind von Anfang an sage, warum manche Dinge bei uns anders sind als so, wie sie in den Standard-Kinderbüchern dargestellt werden. Und es beinhaltet auch Ehrlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit, denn ich habe keinen Grund, mich zu verstecken, nur weil ich das hergebe, von dem ich weiß, dass es für mein Kind das Beste ist. Ich zeige durch diese intime Handlung, dass mein Kind ein Teil von mir ist – und ich ein Teil von ihm. Ich stehe für mein Kind ein, auch – und gerade wenn mir jemand dumm kommt.

Einstellungssache? – Einstellungssache!!!

Vielleicht war es diese Einstellung, die dazu geführt hat, dass ich nie schlechte Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit gesammelt habe. Und das, obwohl ich eine Reaktion durch meine Handlungen manchmal regelrecht provoziert habe. Das Stillen – egal, wo – war für mich selbstverständlich. Dass ich provoziert habe, damit meine ich nicht, dass ich überall die Milchquelle ausgepackt hätte, sodass es auch ja jeder sehen konnte. Das nicht. Ich fühlte mich wohler mit Spucktuch um die Brust. Aber: Ich nahm mein Baby überall mit hin. Manchmal war ich mit meinem Kleinkind im Theater, wenn mein Mann dort auf der Bühne stand. Dafür wurde ich natürlich beim ersten Mal schon etwas schräg angeschaut, aber als die Leute dann sahen, wie gut es funktionierte, da verwandelte sich die Skepsis in Bewunderung. Die Platzanweiserin kam sogar in der Pause, in der ich im Foyer stillte, auf mich zu, um mir ihre Begeisterung auszusprechen:

„Ich wünschte, mehr Frauen wären so wie Sie!“

Ich stand auch etliche Male mit Nachwuchs im Tragetuch auf der Bühne. Und wenn das Kind dann quengelig wurde, machte ich eine kurze Stillpause. Dann gings weiter, bis es von mir in den Schlaf gesungen wurde. Eigentlich erstaunlich, dass die Kids bei so einem „Krach“ direkt neben sich überhaupt schlafen können. Aber meine waren es von Anfang an gewohnt. Es beruhigte sie, wenn ich sang – vielleicht gerade deshalb, weil sie wussten, ich würde sie nie allein lassen, auch wenn ich meinem Hobby nachging – und sie könnten jederzeit ihre Milch und auch meine Nähe bekommen, wenn sie sie brauchten.

Cover Milchvampir

Diese Stillbeziehung hat so gar zu einem Buch geführt! Gibt es auch bald zu kaufen…

Hmmm, lecker, Milch!

Ich glaube, es wäre mir auch gar nicht gelungen, das mit dem Stillen zu verstecken, denn gerade meine Kleine war so fixiert darauf, dass sie zum Beispiel sofort rief:

„Hmmm, lecker, Milch!“

, sobald ich aus der Dusche stieg. Und als sie dann größer war und wir unterwegs waren, meldete sie sich einfach zu Wort, wenn sie Hunger hatte. Aber nicht dezent, sondern mit einem lauten:

„Milch. Mihiiiiilch!!!“

Da musste ich schon ab und zu schmunzelnd an Little Britain denken. Übrigens war bei dem Kind jede Brust „Milch“. Ich erinnere mich, als wir mal an der steinernen Büste einer nackten Frau vorbeikamen. Dreimal dürft ihr raten, was sie sagte … Genau:

„Hmmm, lecker, Milch!“

Die Sache mit dem Bikini…

Irgendwann wurde sie sogar ziemlich penetrant. Ich konnte im Sommer nicht im Bikini vor dem Kind stehen, ohne dass es Appetit bekam. Das war mir dann doch zu viel, auch wenn ich heute über die Erinnerung lachen muss. Da haben die Leute schon komisch geschaut, als das Kind mir in aller Öffentlichkeit das Bikinioberteil langzog, um fix anzudocken, wenn ich es hochnahm. Natürlich nicht still und heimlich, sondern inzwischen sogar mit einem flehenden:

„Einmal noch Portion Milch haben!“

Diese Situation war übrigens ausschlaggebend dafür, dass ich anfing zu schreiben. Auf einmal war da diese Geschichte vom kleinen Milchvampir in meinem Kopf. Die Szene am Strand hab ich da übrigens tatsächlich eingebaut. Noch immer denke ich gerne an die zahlreichen lustigen Momente mit meinen Milchvampiren zurück, wobei viele davon sich nicht in der Öffentlichkeit, sondern zu Hause ereigneten. Und deswegen behalte ich sie auch für mich – wir wollen ja schließlich beim Thema bleiben…

Viele unvergessliche, positive Stillmomente mit euren kleinen Milchvampiren wünscht euch

Sandra Schindler


Hier findet ihr die ersten 21 #Anekdoten zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit


Vielleicht habt ihr auch eine nette kleine oder größere #Anekdote zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure #Anekdote bei mir als #Gastbeitrag teilen würdet! Hab ihr Lust? Dann meldet euch gerne per Mail bei mir unter: motherbirth@gmx.de!!! Ich freue mich❤

*EURE MOTHER BIRTH*

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#Gastbeitrag: Ein paar Gedanken, zu einer zweiten Geburt

Die liebe Mother Birth hat mich vor einiger Zeit gefragt ob ich für ihre Blogpausen-Vertretung einen #Gastbeitrag schreiben möchte. Da ich ihren Blog und ihre Arbeit sehr schätze und mit großer Freude ihre Artikel lese, habe ich mich sofort dazu bereit erklärt. Außerdem, hatte ich noch einen Gastbeitrag zum Hashtag #positiveGeburtskultur bei ihr offen.

Liebe Kathi (geliebtes-kind-motzibacke), ich freue mich sehr, dass du diesen wunderbaren Artikel für mich geschrieben hast❤ Ich erkenne mich in deinem Text wieder – meine Gedanken, meine Überlegungen. Für mich war meine erste traumatische Geburtserfahrung auch ein Anstoß zum Umdenken – zum Überdenken. Was will ich und wie kann ich meine Wünsche am besten in die Tat umsetzten?


Es fiel mir nicht schwer ein Thema zu finden, denn seit einiger Zeit schon, spukte der Gedanke an ein zweites Kind in meinem Kopf herum, und so hatte ich es auch endlich geschafft, mich mit meiner ersten Geburt auseinanderzusetzen.
Während ich die erste Geburt aufarbeitete, entstand tief in mir, eine Vorstellung, wie ich mir meine zweite Geburt wünsche. Gleichzeitig kamen mir aber auch schon die ersten Zweifel und Bedenken.
Ich möchte meine Gedanken, Wünsche und Ängste zu einer zweiten Geburt mit Euch teilen und bin gespannt, welche Erkenntnisse, Ideen und Änderungen diese Reise bringt und ob ich am Ende über den Ausgang überrascht bin…

Schmatzipuffer und Mama - 3 Wochen nach der Geburt

Schmatzipuffer und Mama – 3 Wochen nach der Geburt

Meine zweite Geburt | Spuren der ersten Geburt

Meine erste Geburt hat einige physische Narben hinterlassen. Auf Grund einer Komplikation, kam es während der Geburt zu einem Dammriss 3.Grades. Der Damm war also bis zum Schließmuskel gerissen und der Riss, lief noch weiter durch den Muskel hindurch. Die Geburtsverletzung resultierte aus einer sehr ungünstigen Haltung von Schmatzipuffers Kopf und rechter Schulter. Soweit so gut, ich hatte die Geburt überstanden und die Wunden heilten schnell, ohne Komplikationen, aber mir ging ein bestimmtes Gespräch nicht mehr aus dem Kopf.
Bei meiner Entlassung im Krankenhaus, eröffnete mir ein besonders feinfühliger Arzt (NICHT!):

Dass ich bei der nächsten Geburt, einen Kaiserschnitt als Geburtsvariante wählen sollte, weil ich bei einer natürlichen Geburt wohl wieder reißen und dann mit großer Wahrscheinlichkeit inkontinent sein werde.

BÄMM! Na das hatte gesessen!
Noch völlig durch von der Geburt und dem starken Blutverlust, war ich einfach nur sprachlos. Ich kann mich noch heute an jede Einzelheit des Gespräches erinnern, so einschneidend und schockierend war es für mich. Nachdem ich neue Kraft geschöpft hatte, sprach ich den Sachverhalt bei meiner lieben Hebamme an und bekam eine sehr beruhigende Antwort:

Die meisten Frauen können nach solch einer Geburtsverletzung wieder natürlich entbinden.

Ich war so erleichtert, aber gleichzeitig war mir klar, dass ich, in meiner nächsten Schwangerschaft meinen Damm sehr gut auf die Geburt vorbereiten sollte. Bei meiner letzten Schwangerschaft hatte ich ab der 38. SSW, ein tägliches Heublumendampfbad durchgeführt und diese Methode als sehr angenehm empfunden, und natürlich den etwas gewöhnungsbedürftigen Himbeerblättertee getrunken. Beides schien meinen Damm sehr gut vorbereitet zu haben, denn die Ärztin versicherte mir, dass ohne die Komplikation der Damm intakt geblieben wäre. Also werde ich beides auch wieder anwenden.
Zusätzlich würde ich dieses Mal gerne eine Dammmassage durchführen. Ich hatte sie schon bei der letzten Schwangerschaft versucht, aber ich bin kaum rangekommen und empfand es als sehr umständlich, vielleicht habe ich diesmal mehr Glück, oder ich muss in Erwägung ziehen meinen Mann darum zu bitten. Aber ist es fair ihn um so etwas zu bitten?! Wir werden sehen was passieren wird.
Eine weitere Sache würde ich gerne noch ausprobieren. Die liebe Sanne von meineTraumgeburt hat mir ein interessantes Hilfsmittel nähergebracht, das Epi-No.
Ich denke damit ist klar, dass ein Kaiserschnitt für mich nur als letzter Ausweg, wenn es um das Leben des Kindes und/ oder mein Leben geht, in Frage kommt. Die Gründe dafür liegen in meinem Wunsch, nach einer natürlichen Geburtserfahrung und vor allem in den, durch einen Kaiserschnitt verursachten Folgen für mein Kind.

Meine zweite Geburt | Der Geburtsort

Meine erste Geburt ist über ein Jahr her und ich stellte fest, dass sich die Gründe, an denen ich den schlechten Verlauf meiner ersten Geburt bisher festmachte, geändert hatten. Die erneute Auseinandersetzung mit meiner Geburt, hatten mir die Möglichkeit gegeben, das Erlebte objektiv zu betrachten. Direkt nach meiner Geburt war mein Inneres sehr aufgewühlt, die seelischen Narben frisch und tief. Der psychische Schmerz, den die Geburt hinterlassen hatte und der Babyblues verhinderten, dass ich die Geburt aufarbeiten und mit Abstand betrachten konnte. Während ich direkt nach der Geburt, den Geburtsort, das Krankenhaus als Hauptgrund für mein Geburtstrauma verantwortlich machte, sehe ich das heute etwas anders. Ich glaube, der Ort, an dem die Geburt stattfindet, ist zweitrangig. Nicht die Umgebung schenkt die Geborgenheit und das Gefühl von Sicherheit, mit dem man sich wohlfühlen, seine Gedanken und Kraft voll auf die Geburt, den eigenen Körper und das ungeborene Kind richten kann.
Viel mehr sind es die Menschen, die den Ort und Moment mit dir teilen. Ich empfinde es als wichtigsten Punkt, von bekannten Menschen, denen ich bedenkenlos vertraue umgeben zu sein.
Was bedeutet das für meine nächste Geburt?

Meine zweite Geburt | Die Hebamme

Die Antwort ist:

eine FÜR MICH und MEINE WÜNSCHE geeignete Hebamme.

Die Geburt kann „überall“ stattfinden, aber ich möchte nicht, wie bei meiner ersten Geburt, einen ständigen Schichtwechsel der Hebamme. Auch möchte ich meine Hebamme nicht erst unter der Geburt kennenlernen, sondern vorher eine Beziehung zu ihr Aufbauen, Vertrauen und Sicherheit schaffen. Die Antwort ist also eine freiberufliche Beleghebamme, die mich in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett betreut. Leider sinkt die Zahl der freiberuflichen Beleghebammen stetig, denn sie stehen unter einem gewaltigen Kostendruck, welcher viele in eine Festanstellung treibt. Der Grund sind die gestiegenen Kosten für ihre Haftpflichtversicherung. Dieser Zustand ist untragbar, in einem Land in dem, während der Geburt eine Hebammenpflicht besteht, und die Freiheit als eine hohes Gut angesehen wird, sollten einem Berufszweig keine Ketten angelegt werden, die ihn in die Knie zwingen.

Meine zweite Geburt | Die Verbindung zwischen Geist, Körper und meinem ungeborenes Kind

Es gibt einen Punkt mit dem ich bei meiner ersten Geburt sehr zufrieden war. Meine Atem-Technik. Atem-Techniken, waren für mich nichts Neues, ich praktiziere seit langem Yoga und habe mich daher schon vor meiner Geburt mit meiner Atmung auseinandergesetzt. So wie man sich auf seine Atmung fokussieren kann, um die Wehen-Wellen zu bändigen, gibt es noch einige andere Techniken sich bewusst auf den eigenen Körper zu Konzentrieren, um die Geburt und die Wehen Tätigkeit besser bewältigen zu können. Während meiner nächsten Schwangerschaft möchte ich mich, mit dafür geeigneter Literatur auseinandersetzen, anstatt mir Erfahrungsberichte und Horrorszenarien über andere Geburten durchzulesen. Vielmehr möchte ich ein neues Empfinden für meinen Körper entwickeln und die Verbindung zwischen meinem Geist, Körper und dem ungeborenen Kind in mir stärken. Ich möchte meine ureigenen Fähigkeiten zur Geburt entdecken und erfahren, wie die Natur die Geburt für uns Menschen vorgesehen hat.

Meine zweite Geburt | Ganz bei mir und meinem ungeborenen Kind

Ich bin ein rational denkender Mensch, der gerne die Kontrolle über sein Leben und was darin passiert hat. Hier kommt also der Knackpunkt für mich. Ich muss lernen loszulassen, mich komplett auf meinen Körper zu fokussieren und die Umgebung auszublenden. Mein Körper hilft mir, mit Hormonen, diesen Zustand während der Geburt zu erreichen. Es hängt an mir diesen zuzulassen und vor allem muss ich, für mich eine Umgebung schaffen, in der ein Kontrollverlust kein Trauma auslöst. Und hier schließt sich der Kreis und wir sind wieder am Anfang des Artikels.

Vertrauen, Geborgenheit und Sicherheit.

Diese drei Dinge müssen für mich erfühlt sein, um loslassen zu können. Ich werde in der nächsten Schwangerschaft an mir arbeiten müssen, an mir und meinem Körpergefühl und an der Beziehung zu meiner Hebamme, denn diese ist neben mir und meinem ungeborenen Kind, ein wichtiger Mensch für ein wundervolles Geburtserlebnis.

Wie stellt ihr Euch eure nächste Geburt vor? Hat eure erste Geburt die Wünsche für die zweite Geburt beeinflusst? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Liebe Grüße,
Kathi

 


Für mich selbst gesprochen:

JA, die erste Geburt hat maßgeblichen Einfluß auf meine Wünsche und Vorstellungen für die zweite Geburt genommen – und DAS war auch gut so😉 … #ausgründen

*EURE MOTHER BIRTH*

#Atemtechnik #Beleghebamme #Dammmassage #Dammriss #EpiNo #Geborgenheit #Geburt #Geburtsbegleitung #Geburtsort #Geburtstrauma #Haftpflichtversicherung #Hebamme #Heublumendampfbad #Himbeerblättertee #Kaiserschnitt #Loslassen #positiveGeburtskultur #Sicherheit #Trauma #Vertrauen #Yoga 

{21} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von gemeinsam-wachsen-lernen

Die liebe Britta von gemeinsam-wachsen-lernen erzählt in ihrer #Anekdote ganz unverblümt über ihren schwierigen Stillstart und wie sie ihn trotz aller Widrigkeiten gemeistert hat. Es entstand daraus eine wundervolle Stillbeziehung, die aber in der Öffentlichkeit nie so richtig angekommen ist. Wieso und warum erklärt sie euch. Aber einige Male hat sie doch öffentlich gestillt – zum Beispiel beim Frauenarzt. Was da geschah… Ich bin immer noch fassungslos😦


Ich will voll stillen.

Vor der Geburt habe ich mich leider nur rudimentär über Stillen in der Öffentlichkeit informiert. Ganz sicher wusste ich jedoch: ich will voll stillen. Nun kam mein Sohn, sein Bauch voller Fruchtwasser. Die ersten zwanzig Minuten haben wir durch Kuscheln verprasselt und dann kam auch zügig die U1. Und danach habe ich versucht ihn anzulegen. Etwas ängstlich, aber voller Überzeugung, dass das schon funktionieren werde. Er dockte nicht an und man versicherte uns, dass das völlig normal sei und gar nicht schlimm.

Die unfähige Milchkuh und das Stillhütchen

Die Zeit strich vorüber und der arme Kerl trank nicht. Verschiedene Hebammen kamen und gingen, rückten an uns herum, sagten, dass wir wohl etwas falsch machen und verschwanden. Keine half. Zurück blieb ich mit dem Gefühl, eine unfähige Milchkuh zu sein. Dadurch verlor er an seinen ersten Tagen viel Gewicht und ziemlich schnell wurde aus „ist ganz normal“ ein Drama. Endlich kam dann eine Hebamme auf die Idee, ein Stillhütchen auszuprobieren. Und er dockte an! Da mein Kleiner bis dahin schon eine Gelbsucht entwickelt hatte, stillte ich von dort an alle zwei Stunden. Immer mit Wecker und dabei musste ich den Armen kitzeln und kneifen, damit er wach bleibt. Nicht so schön. Eher ziemlich ätzend.

Stillprobe bitte! oder abpumpen als Beweis der eigenen „Milchleistung“😦

Leider nahm er weiter ab. Eine Stillprobe musste her. Ich sagte, dass ich gerade gestillt habe. Aber egal, eine Stillprobe musste her. Die war schlecht (hatte ja vorher gestillt). Also  mussten wir zufüttern. Naja, es wurde angeraten. Aber wenn nicht, dann können wir nicht entlassen werden und sowieso steht das Leben des Kindes auf dem Spiel. Puh. Also zufüttern. So konnten wir am nächsten Tag entlassen werden.

Aber, ach ne, die Stillprobe war ja so schlecht. Ich habe nicht genug Milch. Ich muss zufüttern.

Nur am Anfang. Ich habe mich geweigert; endlich kam mein Selbstbewusstsein zurück und ich stand ein für meinen Sohn und mich. Also musste ich abpumpen, als Beweis („wir können Sie sonst nicht guten Gewissens entlassen“). Mit Drohung fließt die Milch besonders gut. Aber es ging gut.

Pumpen, pumpen, pumpen – ich hasse die Milchpumpe

Da waren wir nun, zuhause. Ich stillte brav alle zwei Stunden mit dem Hütchen. Ich saß unbequem, das Stillkissen war auch keine Bereicherung, aber ich stillte. So verging die erste Woche. Ich zwickte und zwackte den Kleinen, aber er nahm nicht gut zu. Und meine Brüste spannten auch nicht mehr. Also meinte meine Hebamme, dass ich zu wenig Milch habe. Also Produktion anregen. Pumpen, pumpen, pumpen. Ich hasse die Milchpumpe. Es wurde klar, dass das Hütchen das Problem war. Eine Lösung hatte die Hebamme nicht. Also fing ich endlich an zu recherchieren.

Wunde Brustwarzen

Meine Brüste waren also entweder groß & fest oder groß & weich – mit beiden tun sich Babys manchmal schwer (es braucht einige Internetforen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen). Also presste ich sie vorne zusammen und schuf eine mittelfeste kleine Brust mit ausgerichteten Brustwarzen. Und es klappte! Er dockte an und trank. Der Spaßfaktor war dabei recht klein für mich und meine Brustwarzen litten sehr. Nach einer Woche war eine Brustwarze wund und tat höllisch weh. Etwa drei Wochen nach der Geburt besserte sich seine Gelbsucht und mein Kleiner wurde zum Schlechtschläfer. Er schlief nur noch an der Brust oder beim Tragen. Dort fing auch das abendliche Schreien an und es kristallisierte sich heraus, dass er schnell überreizt und viel Zuwendung braucht. Er liebte Dauernuckeln, es beruhigte ihn. Wann immer meine Hebamme kam, war er an der Brust. Das machte das Behandeln der wunden Brustwarze sehr schwer. Ich versuchte alle ihre Tipps, doch nichts half.

Innige Nähe – Mama und Baby

Endlich Land in Sicht, aber öffentliches Stillen blieb eine Ausnahme

Und so vergingen die ersten acht Wochen. Ich stillte und stillte und stillte und es tat höllisch weh. Doch dann besserte es sich von alleine. Ich wurde schmerzfrei und konnte ständig problemlos stillen. Wir hatten uns unsere Stillbeziehung erkämpft und genossen sie. Sie war etwas besonderes und schützenswertes für uns. Und wir brauchten das Stillen, denn der Kleine brauchte die Brust, um sich zu regulieren. Unsere Tage waren geprägt von Reizreduktion und Dauerstillen. Daher kamen wir fast nie dazu, in der Öffentlichkeit zu stillen. Ich kann unsere Male öffentliches Stillen an einer Hand abzählen:

  • U3
  • U4
  • im Park
  • am Fluss
  • zur Nachsorge meiner Frauenärztin.

Letzteres war etwas besonderes.

Stillend zur Nachsorge beim Frauenarzt

Warten, warten, warten…

Wir sind zur Nachsorge als mein Sohn, ein High Need Baby, knapp neun Wochen alt war. Ich hatte etwas Angst vor diesem Besuch. Sein Schlaf war heilig. Zuerst musste ich warten. Der Kleine erwachte in einer komplett fremden Umgebung. Überall neue Reize. Ich stillte daraufhin und er hielt sich tapfer. Wir warteten und warteten. Gefühlt ewig, aber es war etwas um eine Stunde herum. Entsprechend schlecht war der Kleine dann gelaunt. Er war überfordert. Ich kam endlich dran. Mein Mann war dabei und trug ihn während ich gewogen wurde. Da wurde mein Kleiner allmählich hektisch. Und wir mussten weiter warten. Also dockte ich ihn an. Und dann wurden wir aufgerufen. Und ich lief mit ihm zur Ärztin. Noch immer stillend.

Kann stillen verwöhnen sein?!

Die fand das nicht gut und fragte, warum ich das machen würde, ich hätte doch eben gestillt. Eine Antwort wollte sie jedoch nicht, es ging sofort mit dem Prozedere los. Ich sollte mich also ausziehen. Wieder nahm ich meinen Kleinen mit. Ging irgendwie. In der Zeit bekam mein Mann die Horrorvision eines Tyrannenkindes aufgetischt und es fielen die Worte „verwöhnen“ und „lernen“. Da kotze ich ja innerlich. Ich ließ mich aber nicht beirren und behielt ihn an der Brust bis er von alleine abdockte. Also nahm ich ihn mit auf den Behandlungsstuhl. Der Blick meiner Ärztin war entsprechend. Sie legte los und ich stillte. Kurze Zeit später dockte er ab und ich übergab ihn meinem Mann. Zum Schluss gab es noch eine „liebevolle Ermahnung“. Aber die konnte ich auch ignorieren.

Fazit

Was ich aus dieser Erfahrung mitnehme ist, dass ich über der Meinung anderer stehe und für mich nur zählt, was für meinen Sohn wichtig ist. Und mit Liebe und Verständnis wird er noch sehr lange verwöhnt werden. Die Öffentlichkeit ist mir egal. Wir genießen unsere Stillbeziehung. Manchmal dockt ab, lacht mich an und sagt etwas sehr Wichtiges. Dafür hat sich jeder Aufwand mehr als gelohnt.


Hier findet ihr die ersten 20 #Anekdoten zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit


Vielleicht habt ihr auch eine nette kleine oder größere #Anekdote zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure #Anekdote bei mir als #Gastbeitrag teilen würdet! Hab ihr Lust? Dann meldet euch gerne per Mail bei mir unter: motherbirth@gmx.de!!! Ich freue mich❤

*EURE MOTHER BIRTH*

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#Gastbeitrag: Depressionen einer Mutter – ein Tabuthema

Die Autorin des Textes möchte anonym bleiben. Diesen Wunsch respektiere ich und kann ihn auch verstehen. Es ist ein sehr sensibles Thema – gesellschaftlich tabuisiert. Ich möchte ihr aber auf meinem Blog eine Plattform bieten, da das Thema: Depressionen einer Mutter ihr schon so lange unter den Nägeln brennt, wie sie mir gestand. Ich finde es wichtig, dass gerade solche Themen auch öffentlich angesprochen werden.


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by Pixabay

Dies ist nun der vierte Anlauf, einen Beitrag über Depressionen einer Mutter zu verfassen. Ich hätte niemals gedacht, dass es mir so schwer fällt darüber zu schreiben und doch sitze ich nun zum vierten Mal hier und suche nach Worten für das, was in mir vorgeht.

Denn Depressionen bei Müttern sind ein Tabuthema!
Erst recht bei denen, die nicht arbeiten.
Jeder versteht ja, in dieser so verständnisvollen Welt des „Burnout“, dass einer arbeitenden Mutter wirklich alles mal zu viel werden kann.
Aber einer Mutter, die zu Hause ist?
Noch dazu mit zwei Kindern, die halbtags in der Kita sind?

Depressionen aber sind das Monster, das unter deinem Bett lauert…

Das Problem ist, dass Depressionen eben kein Burnout sind, auch wenn dieser Gedanke nahe liegt, denn ein klassisches Burnout ist eben eine Überlastungsdepression – oder so was ähnliches, verallgemeinern kann man das nämlich auch nicht. Depressionen aber sind das Monster, das unter deinem Bett lauert, nur dass es eben nicht dort unten unter dem Bett wohnt, sondern in deinem Kopf. Dort sitzt es und wartet darauf, all die Zweifel, all die dunklen Gedanken, die Müdigkeit, die Erschöpfung, die negativen Gefühle gegen dich zu verwenden. An manchen Tagen habe ich Glück und das Monster ist zu müde, zu unmotiviert oder ich bin einfach zu entschlossen, mich nicht fangen zu lassen, doch an anderen Tagen fehlt mir die Kraft dafür und das Monster ist zu stark, zu sehr darauf aus, mich hinab zu ziehen, in dieses tiefe, schwarze, kalte Loch.

Mit jemandem darüber zu reden, ist beinahe unmöglich.
Was es nämlich so schwer macht, ist der Glaube unserer Gesellschaft, dass die Mutterschaft für alle Frauen die reine Erfüllung ist. Und mit der Erfüllung kommt das Glück. Und wer glücklich ist, kann nicht depressiv sein, oder? Es wäre schön, wenn es so einfach wäre.
Leider ist es das nicht.

Großes persönliches Ruhebedürfnis vs. Muttersein

Ich persönlich bin ein sehr introvertierter Mensch. Ich brauche viel Ruhe, persönlicher Kontakt zu Menschen, die nicht zu meinen Herzmenschen gehören, fällt mir sehr schwer. Und auch Kontakt zu Herzmenschen überfordert mich schnell. Ich bin schnell überreizt und vertrage anhaltende Geräuschkulissen nur eine gewisse Zeit lang. Im Grunde also die perfekten Voraussetzungen dafür, Mutter zu sein. Natürlich nicht. Denn als Mutter bist du 24/7 in Aktion. Es gibt für dich kein Herunterfahren, allerhöchstens ein Standby. Deine Gefühle, deine Grenzen, deine Bedürfnisse stellst du meistens hinten an, denn natürlich müssen Kinder zwar lernen, diese zu respektieren, aber das ist ein Prozess und klingt in der Theorie leichter, als es in der Praxis ist. Kinder sind laut, sie sind wild, sie gehen an ihre und meine Grenzen und das müssen sie auch! Dass ich das weiß, macht es aber nicht immer leichter, damit umzugehen! Vor allem nicht, wenn ich permanent das Gefühl vermittelt bekomme, ich müsste doch eigentlich den ganzen Tag glücklich und voller Liebe durch die Welt laufen, weil ich diese Kinder ja wollte.

Es stimmt.
Ich wollte diese Kinder.
Ich wollte sie, ich will sie und ich werde sie immer wollen.
Und ich liebe sie.
Von ganzem Herzen.
 Unendlich.

Manchmal aber kann ich diese Liebe nicht spüren

Manchmal aber kann ich diese Liebe nicht spüren. Ich weiß, dass sie da ist. Ich suche sie, ich versuche nach ihr zu greifen, mich daran festzuhalten. Und es gelingt mir nicht. Ich bin so unendlich müde und kraftlos, ich bin all das Elend auf der Welt so furchtbar leid und glaube, es nicht einen Tag länger ertragen zu können. Ich frage mich:

Wann hört das endlich alles auf?

Wann darf ich endlich glücklich sein?

Wann darf ich endlich ich sein?

Ich frage mich auch:

Wieso KANN ich nicht einfach glücklich sein?

Liebe ich zu wenig?

Was stimmt mit mir nicht?

Mir ist innerlich kalt und ich bin nicht in der Lage, die Gefühle, die ich nicht nur zu meinen Kindern, sondern auch zu meinem Mann und meinen Herzmenschen habe, zu empfinden.

An diesen Tagen funktioniere ich nur.
Ich stehe auf, weil ich es muss.
Ich ziehe die Kinder an, weil ich es muss.
Ich mache ihnen Essen, weil ich es muss.
Ich spiele mit ihnen, weil ich es muss.
Ich lache mit ihnen, weil ich es muss.

Ich funktioniere – für meine Kinder, weil sie mich brauchen!

Ich kann nichts dagegen tun…

Und ich hasse mich dafür, dass ich nicht mehr kann, als nur zu funktionieren. Ich weiß, dass dieser Hass dumm ist, dass dieser Hass das Monster füttert und es stärker macht.
Aber ich kann nichts dagegen tun. Ich kann nichts dagegen tun, dass ich mich frage, ob meine Kinder nicht eine bessere Mutter verdient hätten – eine, die immer Spaß daran hat, mit ihnen zu spielen, eine, die nicht dauernd an sich denkt, eine, die die Liebe, welche sie zeigt, auch empfinden kann. Ich kann nichts dagegen tun, dass ich daran zweifle, meinem Mann eine gute Frau zu sein – eine, die ihn mehr unterstützt, den Haushalt besser im Griff hat, ihm öfter mal ein Abendessen kocht. (Nicht, dass er das erwarten würde, er ist wirklich ein fantastischer Ehemann und Vater!) Ich kann nichts dagegen tun, dass ich mich frage, ob ich je den Mut haben werde, die Frau zu sein, die ich sein möchte oder ob ich immer in dieser Endlosschleife von Zweifeln und Ängsten gefangen sein werde.

Ich kann nichts tun.
Ich bin hilflos.
Gefangen in der Angst und der Dunkelheit.
Gefangen in dem Gefühl, für die Menschen um mich herum eine Last zu sein.

Suizidgefährdet – es trifft auch Mütter!

Wenn ich in dieser Situation bin, dann haben logische Gedanken kaum eine Chance zu mir durchzudringen. Meine Vernunft ist stumm eingesperrt in einem dunklen Gefängnis und läuft gegen die Wände an. Ich habe Glück, denn ich bin aufgrund persönlicher Erfahrungen nicht suizidgefährdet – die Erfahrung machen zu müssen, ein Hinterbliebener zu sein, hat zu viel Macht, als dass ich irgend jemandem dieses Gefühl aufbürden könnte – aber oft ist es nur der Gedanke genau daran, der mich zurück reißt aus der Dunkelheit, der mich das Licht meiner Kinder, meines Mannes und meiner Herzmenschen wieder sehen lässt. Daran kann ich mich festhalten, Kraft finden und Liebe. Aber das geht nicht allen Müttern mit Depressionen so! 
Und das hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Selbstsucht zu tun oder dem Vorwurf, seine Kinder im Stich zu lassen. 
Im Gegenteil: Steckt man in einer Depression fest, empfindet man sich selbst als Last für alle anderen, insbesondere für jene, die einem am nächsten stehen. Die Dunkelheit, der Schmerz, all das ist so überwältigend, dass es für Betroffene oft keinen Ausweg zu geben scheint. Es bildet sich der Gedanke, dass es für die Kinder, die Familie und Freunde eine Erleichterung sei, wäre man selbst nicht mehr da. Sicher, sie würden trauern, eine Weile, aber dann würde es einfacher, denn sie wären endlich frei von der Last des Depressiven. Logische Argumente erreichen einen in dieser Situation nicht, denn steckt man in dieser Situation, gleichen die Gedanken einer Spirale, die nur eine Richtung kennen. ABWÄRTS.

Ein achtsamer Umgang wäre wichtig

In solch einer Situation – wie in so vielen anderen auch – wäre es wichtig, dass mit diesen Menschen achtsam umgegangen wird, dass sie ernst genommen werden. Wie oft höre ich Dinge wie:

„Reiß dich zusammen!“

„Das wird schon wieder!“

„Das sind die Hormone!“

oder ganz schlimm

„Liebst du deine Kinder etwa nicht genug? Das müsste doch reichen!“

Dann werde ich stumm, ich setze ein strahlendes (falsches) Lächeln auf und sage Sachen, wie:

„Sicher. Ich bin wahrscheinlich nur müde!“

oder

„Ach es ist einfach viel Stress im Moment!“

Und innerlich weine ich, bin enttäuscht und bete, dass ich beim nächsten Mal auch wieder die Kraft habe, dem Monster zu entkommen. Und dass das Gefühl des Hinterbliebenen niemals seine mahnende Macht verliert.

Anmerkung:
Dieser Text stellt nichts als eine Schilderung meiner Situation dar. Er hat keine Allgemeingültigkeit, denn jede Depression ist so anders, wie wir Menschen alle unterschiedlich sind.  Ich maße mir nicht an, zu verstehen, wie es anderen Depressiven da draußen geht. Ich hoffe aber, dass der Text hilft, zu verstehen, dass er vielleicht Augen öffnet. Und ich bitte damit um mehr Achtung für Mütter, für die schwere Arbeit, die sie jeden Tag leisten. Für die Verantwortung, die sie tragen. Und dafür, dass diese Arbeit manchmal einfach nicht mehr zu bewältigen ist, egal wie groß die Liebe zu den Kindern und die Freude, die sie bringen, ist. Denn als Mutter ist man immer im Dienst, muss man immer für mehrere Personen denken und planen. Mamas sind nicht krank, sie sind nicht schwach. Sie sind immer da!

Ich bitte euch, hinzusehen, hinzuhören.
Hinter das Lächeln einer Mutter zu schauen und ihre Erschöpfung wahrzunehmen.
Denn wir alle brauchen unsere Mütter!


Mich hat der Text tief bewegt. Ich danke der Autorin für den sehr intimen Einblick in ihr Seelenleben. Vielleicht schafft dieser Text mehr Verständnis für depressive Mütter und natürlich auch für depressive Väter, vielleicht halten wir unsere Augen und Ohren offener und schauen genauer hin – hinter das Lächeln…

Bea von TOLLABEA hat in ihrem Beitrag: Schnelle Hilfe und das Herzmenschprinzip – was Depressiven helfen kann drei wichtige Punkte zusammengetragen, die den Weg aus dem dunklen Tunnel für Depressive erleichtern können. Ein ganz großartiger Text, den ihr unbedingt lesen und teilen solltet. Danke❤

*EURE MOTHRT BIRTH*

#Depression #Gastbeitrag #Gefühle #Liebe #Mutter #Ruhe #Tabuthema #Kinder

Ich brauch dann mal ne Pause… – #Blogpause

by Pixabay

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Ihr Lieben, ich wollte euch mitteilen, dass ich im #September eine kleine Blogpause einlegen möchte. Einen Monat lang werde ich still bleiben, mich auf mich und meine Familie konzentrieren, damit ich ab Oktober wieder mit Elan und Freude an meinen Texten schreiben kann. Ich will meinen Kopf frei kriegen, um neue Ideen reifen zu lassen. Dazu brauche ich etwas Ruhe und Zeit. Eine Pause eben. Eine Blogpause.

Aber ich verspreche euch: ich komme wieder! So schnell werdet ihr mich nicht los😉 …

Damit ihr trotzdem noch was zu lesen auf motherbirthblog haben werdet – habe ich natürlich vorgesorgt und liebe Gastautoren gefragt, ob sie etwas in diesem Monat für mich schreiben würden. Und ich darf euch schon mal verraten: es sind wirklich tolle Texte dabei rausgekommen

Und für die ganz Neugierigen, die gar nicht abwarten können, was sie erwartet:

  • Die #Gastbeitragsreihe: Stillen in der Öffentlichkeit wird auch im September noch wie bisher weiterlaufen

und

Freut euch drauf!🙂

 

*EURE MOTHER BIRTH*

 

Für mehr Authentizität im Netz – die ungeschminkte Wahrheit: was meine engsten Freunde über mich sagen…

Der Stein des Anstoßes…😉

Und warum schreibe ich diesen Post jetzt? Weil ich letzte Woche über ein Video von Frida Mercury gestolpert bin: Blogger vs. Realität. Da habe ich mich gefragt:

Wie komme ich eigentlich im Netz rüber?

So wie ich im realen Leben bin?

Oder erschaffe ich nur ein Idealbild von mir im Netz, dass nicht viel mit meinem realen Ich zu tun hat?

Fragen über Fragen…

Die Suche nach Antworten

Mir ist ziemlich schnell klar, dass ich im Netz kein Bild  von mir erschaffen will – ich will einfach „nur“ authentisch für meine Leser sein! Ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Stärken und Schwächen, mit guten und mit schlechten Tagen. Ein Gesamtpaket – keine Ausschnitte, die ich schick in Szene setzte. Nein, so will ich das auf meinem Blog nicht. Ich möchte, dass ihr mich genauso kennenlernt, wie ich auch im realen Leben bin. Ich will im Netz keine andere Person sein als sonst. Ich bin ICH und dass soll auch auf Motherbirthblog so sein.

Aber wie soll das funktionieren? Und ist das überhaupt möglich?

Wenn ich mich selbst versuchen würde zu beschreiben, ständen wir immer noch vor dem „Problem“ der Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und wären kein Stück weiter. Vielleicht hätte ich dann sogar noch eine neue Ebene mit ins Spiel gebracht, die zu nur noch mehr Verwirrung führen würde? Ich weiß es nicht, aber mein Bauchgefühl sagt mir: keine gute Idee.

Naheliegende Lösungen…

Nach längerem Grübeln, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich einfach meine ältesten und engsten Freude frage:

Wie würdest du mich beschreiben?

Eine offene Frage – 1001 Möglichkeit zu antworten. Ob kurz oder lang, ob ob auf den Punkt gebracht oder völlig wirr durcheinander – hier werdet ihr die unzensierten Antworten meiner Freude zu lesen bekommen. Ungefiltert, einfach frei nach Schnauze – genauso wie sie mir geantwortet haben. Mehr Authentizität kann ich euch nicht bieten🙂

Wie ich wirklich bin

Ich - ungeschminkt, nicht gestylt und mit (Lach-)Falten versehen :-)

Ich – ungeschminkt, nicht gestylt und mit (Lach-)Falten versehen🙂

L., Patentante von BusyBee – befreundet seit 4,5 Jahren:

Du bist einfach liebenswert, nett und immer da, wenn man Hilfe braucht!

F., Patentante meiner beiden Kinder – befreundet seit 18 Jahren:

Zum Glück wieder fröhlich, aufgeweckt und lebensfroh. Liebenswert, offen für Neues, begeisterungsfähig. Unter Fremden mitunter schüchtern, anderen gegenüber immer sehr interessiert. Von ihrem Tun und Handeln überzeugt – authentisch. Naturverbunden, entspannt, aber keinesfalls hinterwäldlerisch.

Mir fällt soooo Vieles ein😉 Und nur Gutes!!!

Ich kann das auch ganz einfach in drei Worte fassen: Ich hab dich lieb – als Freundin❤🙂

Du bist außerdem kinderlieb – wer hätte DAS gedacht.😉

Manche Dinge sind einfach zu schön, um wahr zu sein: unsere Freundschaft gehört dazu!🙂

J. – befreundet seit 10 Jahren:

Du bist zielstrebig und zuverlässig. Ich bewundere immer deine innere Ruhe und dein Gottvertrauen. Und du bist eine Stütze für deine Familie.

Das ist mir ganz spontan eingefallen…

A. – befreundet seit 19 Jahren:

Du bist ein sehr interessiertes, neugieriger und wissbegieriger Mensch, der Dinge gerne hinterfragt. Du bist tiefgründig – und begeisterungsfähig auch.

Du kannst über dich selbst lachen und nimmst das Leben nicht zu ernst. Weißt aber, was du willst und hast eine klare Vorstellung davon.

Ihr fragt euch vielleicht gleich, was der Herzensmann in dieser Reihe zu suchen hat. Ich würde ihn, neben vielen anderen Dingen, auch zu einem meiner besten Freunde zählen❤ Also MUSS er auch zu Wort kommen!

Herzensmann – seit 16,5 Jahren an meiner Seite:

Setzt ihren Willen durch, wenn ihr was am Herzen liegt – achtet aber trotzdem sehr auf die Bedürfnisse aller Familienmitglieder und nimmt sich gerne zurück. Ein in sich doch sehr verschlossener Mensch, der seine Emotionen nicht immer nach außen trägt. Hat sie aber jemanden erst mal ins Herz geschlossen, dann tut sie für diesen Menschen fast alles und zeigt zeitweise auch mal ungefilterte Emotionen😉 Von Herzen ist sie Mama.

Natürlich könnte ich noch hunderttausend andere Dinge sagen, aber… dass kam mir als erstes in den Sinn.

Ziel dieses Posts ist es, euch – meinen Lesern – die Person, also mich😉 , hinter dem Blog näher zu bringen. Hoffentlich konnte ich mein Ziel erreichen und habe es nicht verfehlt.

*EURE MOTHER BIRTH*

 

 

 

Ich-Selbst

Der Wendepunkt oder warum sich etwas ändern musste

Meine erste Geburtserfahrung hat mich meiner Menschenwürde beraubt, mir meine Würde als Frau genommen, mein Recht auf körperliche Unversehrtheit wurde mit Füßen getreten, meine Selbstbestimmtheit beschnitten, mein Kind wurde mir weggenommen, meine Achtung und mein innerer Halt wurden gebrochen. Ein Scherbenhaufen blieb zurück. So wollte ich nie wieder gebären – entbunden werden! Ich wurde nicht nur ENTBUNDEN von meinem Kind, sondern auch von meinen Rechten, meiner Verantwortung und meiner Selbstbestimmung.

Das kleine Wörtchen „SELBST“

Ich habe die längste Zeit meines Lebens dem Wörtchen „SELBST“ kaum bis keine Beachtung geschenkt. Leider… Ich hätte es tun sollen. Es gibt so viele Worte, die mit der Vorsilbe „SELBST“ beginnen. Ist das euch schon mal aufgefallen? Es sind extrem viele!

  • Selbstermächtigung
  • Selbstwert
  • Selbstwertgefühl
  • Selbstvertrauen
  • Selbstbestimmung
  • Selbstverantwortung
  • Selbstachtung
  • Selbstliebe

Um hier nur einige zu nennen, die mir im Bezug auf meine selbstbestimmte Geburtserfahrung besonders wichtig erscheinen. Und wieso?

Weil ich bei meiner ersten Geburt andere Menschen bemächtigt habe Entscheidungen für mich zu treffen. Weil ich mich, meine Bedürfnisse und Gefühle weniger wert schätzte als die anderer. Weil ich kein Vertrauen in mich, meinen Körper und meine Gebärfähigkeit hatte. Weil ich andere über mich und mein Leben habe bestimmen lassen. Weil ich die Verantwortung für mich und mein Kind nicht übernommen habe, sondern sie an Fremde abgegeben habe. Weil ich keine Achtung vor mir selbst hatte und somit auch andere dies nicht haben konnten. Weil ich mich selbst nicht lieben konnte – immer meine Fehler und Unzulänglichkeiten sah und nicht meiner Stärken.

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Mein Weg zu mir selbst

Nehme ich das Wörtchen „SELBST“ weg, ändert sich die Wortbedeutung. Sie kehrt sich  ins Gegenteil um. Es führt mich weg von mir – von meinem ICH. Ich erkannte, wie wichtig es ist, bei seinem SELBST anzukommen, es wahrzunehmen – es anzunehmen. Es bedeutet auch sich selbst als Person anzunehmen, sich wert zu schätzen. So war es zu mindestens bei mir. So lange ich das Wort „SELBST“ aus meinem Leben ausgeklammert hatte, habe ich mich quasi selbst aus meinem Leben ausgeschlossen. Habe andere das Ruder für mich übernehmen lassen. Vordergründig schien es der leichtere Weg zu sein. Aber hat er mich glücklich und zufrieden gemacht? Nein! Das Gegenteil war der Fall: ich habe mich abhängig gemacht – von anderen, ihrem Urteil, ihren Entscheidungen, ihren Gefühlen. Ich habe sie in das Zentrum meines Lebens – meines Seins – geholt, obwohl dieser Platz mir zustand und ich ihn einnehmen sollte. Als ich das Wörtchen „SELBST“ schließlich in mein Leben ließ und ihm meinem Sprachgebrauch und Denken einräumte, kam ich zu mir selbst. Ich wurde: Ich-Selbst! Das war die Grundvoraussetzung, damit ich selbstverantwortlich für meine Entscheidungen eintreten konnte, die mir eine selbstbestimmte Geburtserfahrung überhaupt erst ermöglichten.

Selbstverantwortlichkeit – mein Schlüssel zur selbstbestimmten Geburt

Eins habe ich mir damals nach der traumatischen ersten Geburtserfahrung geschworen: die Verantwortung für mich und meine Kinder nicht mehr in fremde Hände zulegen und abzugeben! SELBSTVERANTWORTLICH – so wollte ich in Zukunft mein Leben gestalten. Ich habe begonnen meine Ansichten zu hinterfragen. Woran glaube ich wirklich? Was sind meine eigenen Ängste? Welche Ansichten oder Glaubenssätze sind nur übernommen von anderen, ohne dass ich selbst dahinterstehe? Ich recherchierte viel, las massenhaft Bücher, bildete mir meine eigene Meinung, weil ich nicht mehr blind vertrauen wollte. Wissen ist Macht, mit der man andere zu Entscheidungen zwingen kann, wenn man sich nicht auf Augenhöhe unterhält – ein Wissensvorsprung, meist auf Seiten der Geburtshelfer, verhindert dies. Ich wollte dieses Machtgefälle einfach nicht mehr akzeptieren! Der Hypnobirthing-Kurs war für mich und meinen Mann wie eine Art Erleuchtung! Er bildete den Grundstein für unsere Absage an die Ängste anderer. Wir fühlten uns befreit – von einer Last, die gar nicht unsere eigene war und die wir nun endlich nicht mehr mittragen mussten. Dadurch hat sich unser Sicherheitsbedürfnis ebenfalls erheblich verschoben. Wir erachteten das Krankenhaus mit all seiner Technik und seinen medizinischen Möglichkeiten nicht mehr als den sichersten Geburtsort. Nicht für uns. Wir vertrauten wieder mehr meinem weiblichen Körper, seiner Gebärfähigkeit. Unser Fokus lag nicht mehr auf der Geburt als Risiko, sondern erstmals darauf, dass die Geburt ein völlig natürlicher Vorgang ist, der keiner Überwachung bedarf. Heute glaube ich felsenfest an die physiologisch normale Geburt; und so kann ich dem Trauma auch seine gute Seite abgewinnen: es hat mich erst zu dieser Erkenntnis reifen lassen. Ich habe erstmals so richtig Verantwortung übernommen – für mich, für mein Kind, für meine Wünsche und natürlich für die Art und Weise, wie ich gebären möchte – SELBSTVERANTWORTLICH. Diese zweite Geburtserfahrung hat letztendlich meine Selbstachtung, mein Selbstwertgefühl und mein Selbstvertrauen gestärkt und ich habe begonnen mich selbst so zu lieben, wie ich bin. Ein großartiges Gefühl…

 

*EURE MOTHER BIRTH*

#Geburtserfahrung #Ich #Selbst #Selbstachtung #selbstbestimmt #selbstverantwortlich #Selbstvertrauen #Selbstwertgefühl #Geburt