SPEZIAL

Vereinbarkeit im Schnee

Ich will heute mal der Frage nachgehen, wie es eigentlich mit der Vereinbarkeit von Bedürfnissen, Wünschen und Erwartungen aussieht, wenn man mit Babys und Kleinkindern in den Winter- bzw. Skiurlaub fährt. Kommen alle auf Ihre Kosten? Wo muss man Abstriche machen als Eltern? Was ist Kindern zu zumuten? Und natürlich: Bringt das alles überhaupt noch Spaß?

Schon zu Beginn scheiden sich normalerweise die Geister an der Frage: Sollte man überhaupt einen solchen Urlaub machen, wenn die Kinder noch so klein sind? Viele würden wohl eher zu „Nein“ tendieren. Insbesondere wenn es in die Kälte und Einsamkeit Skandinaviens gehen sollte. Verständlich! In meinem Freundes- und Verwandtenkreis kenne ich zu mindestens niemanden, der das gewagt hat. Wie komme ich also zu dem Wahnsinn? Ich war glücklicherweise schon in Schweden Skifahren bevor ich Mama wurde und konnte – damals noch sehr erstaunt – feststellen, dass Kinder in jeglichem Alter wie selbstverständlich mit in den Winterurlaub fuhren. Zweifel, Ängste, Unsicherheiten? Fehlanzeige hier in Schweden: selbst die Kleinsten kreuzen im Kinderwagen die Skipisten und gehören zum alltäglichen Bild. Ein Bild, was sich mir eingeprägt hat. Genauso wie die Tatsache, dass in Schweden die Kleinkinder auf Skier gestellt werden, sobald sie laufen können. Ich sagte damals zu meinem Mann: „Wenn wir später auch Kinder haben, werden wir es genau so machen! Genau SO!“ Ich habe mich daran gehalten – auch wenn viele Ängste und Zweifel an mich herangetragen wurden.

„Für so ein kleines Baby ist es viel zu kalt dort! Du musst immer drinnen bleiben mit ihm – dann kannst du auch besser und billiger zu Hause bleiben!“

„Warum tust du dir den Stress bitte an?!“

„Skifahren können die Kleinen eh noch nicht – also was wollt ihr mit denen dort?“

Eine kleine gruselige Auswahl an Nettigkeiten die wir als Reaktion auf unsere „tollkühne Schnapsidee“ kassiert haben 😦

Ich habe mir dann immer gesagt: „Wenn schwedische Babys und Kleinkinder die Kälte aushalten können, dann können das meine erst recht 🙂 !“ Mit dem richtigen Equipment und der richtigen Vorbereitung geht fast alles und es wird für alle eine wunderbare Urlaubszeit! Wie uns das – als kleine Familie – gelungen ist, möchte ich euch hier kurz berichten; anhand eines durchschnittlichen Winter-/Skitages:

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BusyBee on ski – aber mit Schnuller 😉

Nach einem gemeinsamen Frühstück, beginne ich um 9 Uhr (Start der Liftfahrtzeiten) mit dem Skifahren. Es ist meine persönliche MeTime! Ich genieße diese Zeit des Tages unheimlich! Ruhe – einfach Ruhe. Ich tue nur etwas für mich. Muss mich mit niemanden abstimmen oder Rücksicht nehmen. Kann endlich ungestört meine Gedanken schweifen lassen. Für mich wahnsinnig kraftspendend und schön! Gegen 10:15 Uhr kehre ich wieder zu unserer kleinen Holzhütte zurück. Nun stehen die Kinder im Vordergrund. NotYet geht mit dem Herzensmann Skifahren bis etwa 12 Uhr. BusyBee ist als Baby im Kinderwagen von mir zur Skipiste gefahren worden. Dort hat sie dann meist geschlafen, während ich als stolze Mama NotYet bei seinen Fortschritten beobachten durfte. Nun ist es mittlerweile schon so, dass auch BusyBee auf Skiern steht und ebenfalls Skifahrzeit für sich beansprucht 😉 . Sie übt fast täglich für etwa eine halbe Stunde am „Babyhang“ mit Förderband. Hoch konzentriert vor der Abfahrt und vor Freude jauchzend, wenn sie zwischen Papas Beinen den kleinen Hang hinuntersausen darf! NotYet übt derweil seine Kurvenfahrt und das schnelle Bremsen. In seinem Alter (4,5 Jahre) kann man schon mal an seiner Technik feilen 🙂 …. Nach den anstrengenden 30 Minuten kann BusyBee meist auch nicht mehr stehen und ich gehe mit ihr schon mal Heim. NotYet fährt mit dem Papa noch weiter – jetzt aber nicht mehr solche „Babysachen“, sondern über den großen Berg natürlich 😉 ! Er ist ja auch schließlich der GROSSE Bruder… Zum gemeinsamen Mittagessen finden wir uns alle wieder in unserer kleinen Hütte ein. Nach dem Essen ist Ruhezeit für die Kinder. Last but not least bekommt der Herzensmann endlich auch die Gelegenheit, um alleine für sich Ski zu fahren. Er genießt es ebenso wie ich, obwohl er meinte, dass ihm die Gespräche mit mir während den Liftfahrten schon fehlen würden. <3<3<3<3 Gegen 15 Uhr (Ende der Liftzeiten) kommt er zurück und wir setzten uns bei Dämmerung und Kerzenschein zusammen, trinken Kaffee (die Kinder natürlich nicht 🙂 ) und essen Kekse. Danach gehen wir alle gemeinsam noch raus in den Schnee: Schlittenfahren, Spaziergänge, Schneeburgen bauen – alles wonach uns der Sinn steht. Nach etwa 1,5-2 Stunden geht es wieder rein. Der Herzensmann kocht und nach dem Essen wird zum Ausklang des Abends der Kamin angezündet. Dann geht es für die Kinder ins Bett. Sie schlafen auch recht schnell ein (wenn das bloß zu Hause auch immer der Fall wäre …), da sie vom ausgefüllten Schnee- und Skitag erschöpft sind. Wir sitzen dann noch vor dem ausglühenden Kamin und reden…. – unsere PaarZeit <3<3<3.

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NotYet on the Top 🙂

Gelegentlich nutzen der Herzensmann und ich noch die Möglichkeit am Abend Langlauf zu fahren – allerdings getrennt, da einer immer bei den Kindern bleibt. Einige der Langlaufstrecken sind von 15-24 Uhr beleuchtet, so dass sich die abendliche Möglichkeit einer zusätzlichen MeTime für uns als Eltern eröffnet. Ein wahrer Vorteil hier!

Um die eingangs gestellten Fragen zu beantworten:

  1. Ich und der Herzensmann haben beide unsere MeTime, die wir sehr genießen und für uns als wertvoll wahrnehmen. Mit den Kindern zusammen bleibt aber auch noch definitiv genug FamilyTime. Aus meiner Sicht ist das Verhältnis zwischen Me- und FamiliyTime ausgeglichen, so dass sich niemand zurückgesetzt fühlen muss. Die festgelegten Zeiten sind keine einengende Routine für uns, sondern sie dienen eher als zuverlässiges Grundgerüst des Tages. Jeder kann sich darauf verlassen, dass seine Bedürfnisse Raum beziehungsweise Zeit finden. Damit gibt es keine enttäuschten Erwartungen, was eine sehr wichtige Voraussetzung für einen harmonischen Urlaub ist.
  2. Natürlich müssen wir als Eltern auch Abstriche machen – aber eben nicht nur im Urlaub. Es werden mir vermutlich viele zustimmen, dass sie ihr Freizeitverhalten mit Kindern einfach verändert haben. Man macht andere Aktivitäten als Familie. So auch im Winter- bzw. Skiurlaub. Das ist auch ok so, finde ich! Wir können zurzeit zum Beispiel nicht mehr gemeinsam Ski fahren. Das ist zwar schade, aber wir wissen, dass die Zeit wiederkommen wird, wo wir dies ausgiebig nachholen werden. Darauf freuen wir uns schon 🙂 !!!
  3. Kälte und Schnee kann man ohne Bedenken Kleinkindern „zumuten“ ;-)… Sie freuen sich drauf! Auch Skifahren ist selbst bei den Kleinsten hoch im Kurs. BusyBee fährt wahnsinnig gerne Ski. Sie redet von nichts anderem. Auch wenn es für so kleine Kinder (17 Monate) natürlich sehr anstrengend ist und sie nicht sonderlich lange durchhalten können. Der Spass an der Sache steht immer im Vordergrund! Rodeln auf der extra hergerichteten Pulkabacka (Rodelstrecke) ist ein Vergnügen für Groß und Klein. Babys können an fast allen genannten Aktivitäten teilhaben; entweder im Kinderwagen oder aber im Tragetuch/ Trage. Zudem gibt es in IDRE FJÄLL sehr viele verschiedene Freizeitangebote: Hundeschlittenfahrten, Snowmobilfahrten, Reiten, Eisangeln, Schneeschuhwanderungen, Bowling, um nur einige zu nennen. Diese sind für Babys und Kleinkinder eher weniger geeignet. Aber die Kinder werden älter und man kann immer mehr davon in Zukunft nutzen. Pferdeschlittenfahrten und Schwimmhallenbesuche eignen sich hingegen wunderbar als Alternativangebote für Familien mit Babys und Kleinkindern. Ingesamt würde ich sagen, dass man ein solcher Urlaub keine Zumutung für die Kindern sein muss, sondern ohne größere Probleme kindgerecht gestaltet werden kann!
  4. Ich mach es kurz: Purer Spass für alle!

Ich hoffe, dass ich euch mal wieder inspirieren und vielleicht sogar einigen unter euch Mut machen konnte selbst einen solchen wunderbaren Winterurlaub mit Babys und Kleinkindern in Betracht zu ziehen. Es lohnt sich wirklich!

Wie es nun mit 3 kleinen Kindern wird? Keine Ahnung, aber ich werde sicherlich berichten!

*EURE MOTHERBIRTH*

#Baby #Kinder #Schnee #Ski #Winter #Urlaub #Vereinbarkeit #Bedürfnisse #Erwartungen #Spass 

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4 Gedanken zu „Vereinbarkeit im Schnee“

    1. Also… es gibt hier noch solo viel neben der Skipiste, dass man nicht unbedingt Ski fahren muss, um Spass zu haben 😉 ! Im Gegensatz zu den Alpen, gibt es hier auch sehr leichte Pisten für Anfänger, die man schnell beherrschen lernt. Die einfachen Pisten fährt NotYet mit seinem Papa zusammen seit er 3,5 Jahre alt ist – das sagt wohl vieles ;-)…. Es ist machbar, würde ich sagen.
      Skiurlaub ist immer nicht ganz billig, aber in den Alpen deutlich teuer! Ein kleines Beispiel:
      unser Skipass für 13 Tage kostet uns als Elternpass (Eltern können getrennt mit Kindern bis zu 7 Jahren darauf fahren) 310€! Das sind etwa 165€ pro Erwachsenen. Schau mal im Internet nach, was so ein Tagesticket in angesagten Skigebieten in den Alpen kosten – in meiner Erinnerung kann man da bis zu 50€ pro Person bezahlen … :-((( Teuer ist also relativ…
      Da ihr in den Ferien kommen würdet, ist die Unterkunft vermutlich teurer, als jetzt bei uns. Es gibt hier aber fast für jede Preisklasse das passende Haus. Unser aktuelles Haus (60 Quadratmeter und bis zu 7 Personen; Strom etc inkl.) kostet jetzt 500€ und zur Hauptsaison etwa das doppelte – also 1000€.
      Falls du dich mal genauer umschauen willst kannst du mal auf der Seite:
      http://www.idrefjall.se
      schauen gehen! Wünsche dir viel Spaß beim stöbern! 😉

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      Gefällt 1 Person

Hinterlasst mir hier gerne einen Kommentar! Ich würde mich sehr darüber freuen <3

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