SPEZIAL

Elon und Felix – the next level

TEIL 2 – oder lass das Grauen beginnen… :

Hier darf nun zum ersten Mal der Herzensmann zu Wort kommen! Eine Premiere 🙂 !!! Und dies auch aus guten Gründen, da er derjenige war, der am Steuer unseres Autos saß und uns heil durch diese Schneekatastrophe nach IDRE FJÄLL gebracht hat. Mein persönlicher Held <3… Ich habe mir erlaubt ab und zu meinen Senf dazuzugeben. Du erkennst ihn an dieser Schrift!!!

Als wir den Räumfahrzeugen hinterherfuhren staunte ich noch über die vor uns gezeigte Choreografie – vier Räumfahrzeuge fuhren über die 2 Spuren so kurz hintereinander versetzt, dass der gesamte gefallene Schnee vollumfänglich nach rechts geschoben wurde. Für die ersten 20km brauchten wir hinter diesen Fahrzeugen, die im Schneckentempo fuhren, fast so lange, wie wir sonst zu unserem ersten Zwischenstopp brauchten; jedenfalls fühlte es sich für mich so an. Was freute ich mich, als die Fahrzeuge endlich auf einem Autobahnkreuz in die einzige andere mögliche Richtung abbogen. Die Freude weilte nicht allzu lange, als ich plötzlich bemerkte, wie bescheiden es sich auf vollgeschneiten Autobahnen fährt. Mein Durschnittstempo besserte sich nicht deutlich; das Fahren wurde aber anstrengender und ich antworte allen im Auto nur noch mit sehr sehr kurzen Sätzen – meist mit einem gepressten „Ja“ oder „Nein“. (Ja, die Gereiztheit des Herzensmannes war deutlich spürbar! Aber verständlich. Ich hätte an seiner Stelle definitiv NICHT hinter dem Steuer sitzen wollen und ich bin ihm dankbar, dass er es für uns tat!) Die meiste Zeit muss ich aber gesprochen haben – jedenfalls erinnere ich mich häufig gesagt zu haben:

„Ich sehe nichts mehr!“.

(Schallplatte mit Sprung 😉 )

Das lag vor allem daran, dass der Schnee auf meiner Frontscheibe direkt zu Eis gefror und es den Scheibenwischern nicht mehr möglich war, das Eis zu entfernen; auch das Scheibenwasser, welches doch bis ca. -50 Grad aushalten sollte, verweigerte bei diesen Schnee- und Eismassen seinen Dienst. Im Nachhinein war dieser Abschnitt aber immer noch einer der besseren – jedenfalls freute ich mich noch, dass die automatischen Mautstationen bestimmt nicht mehr mein Nummernschild erkennen konnten. (Jaaaa, wir waren NOCH zu Späßchen fähig…) Wie auch immer – jeder Kilometer zog sich hin und ich kauerte bereits mit meinem Gesicht direkt vor der Frontscheibe – genau so, wie ich es häufig bei älteren Personen im Auto beobachtet hatte … (Ich darf hier mal anmerken, dass der Herzensmann selbst beim Schreiben dieses Textes diese Haltung eingenommen hat. #Trauma… Der Arme…) Zu unserem Glück war die Autobahn seit unserer letzten IDRE-Fahrt fertiggestellt worden und mit ihr auch einige Tunnel. Ich stellte fest, dass in diesen Tunneln sehr lange Parkbuchten waren, die von den wenigen Autofahrern gut frequentiert wurden – nun wusste ich auch warum! Die erste Bucht verpasste ich noch, bei der zweiten hielt ich dann an und konnte endlich das Eis von der Frontscheibe entfernen. (Jubelgebrüll von der Rückbank 😉 Ich war mittlerweile auf die Rückbank gezogen zwischen die beiden Kindersitze. Ich kann nur von Glück sagen, dass ich in der Schwangerschaft mit BusyBee so viel abgenommen habe 😉 ! Selbst heute bekomme ich ein beklemmendes Gefühl, wenn ich an diesen Viertelsitz – mehr war es tatsächlich nicht!!!  – zurückdenke. *Grusel*) Es war ein erhabenes Gefühl nun endlich wieder mit Sicht weiter fahren zu können – die Freude hielt bis zur Tunnelausfahrt 😦 . Ein Kilometer später hing ich wieder direkt hinter der Frontscheibe, um noch eine kleine Lücke zwischen dem Eis ausfindig zu machen. Das wussten anscheinend die norwegischen AutobahnbauherrInnen, jedenfalls folgte gleich der nächste Tunnel. Also wieder das gleich Spiel nun direkt bei der ersten Parkmöglichkeit. Ich ertappte mich dabei zu überlegen, wie schön es doch wäre, wenn die Strecke bis IDRE FJÄLL vollkommen untertunnelt sei – die Fahrt wäre soooo entspannend (Zwei Dumme ein Gedanke – oder schon zu lange zusammen?!). Leider wurden meine Träume jäh zerstört, als die Autobahn plötzlich endete (in Norwegen verlaufen Autobahnen nur im Umkreis von gefühlten 100 Kilometer um Oslo herum). Wir mussten auf eine – eigentlich sehr gut ausgebaute – Landstraße ausweichen. Genau in diesem Moment nahm der Schneefall dermaßen zu, dass ich in meiner sehr angespannten, aber nun ganz gut eingerichteten Sitzposition, auch nichts mehr erblicken konnte. Es war alles weiß – ich konnte keine Straße mehr erkennen – bei der Autobahnabzweigung (Welche Abzweigung? Ich hätte sie niemals gesehen…) kam ich fast nicht durch den Tiefschnee – aber irgendwie gelang es, dem Auto beizubringen um die Ecke zu fahren (RUTSCHEN!!!!). Am Horizont erkannte ich die Nebelschlußlichter eines vorausfahrenden Fahrzeuges; mein Ziel war nun klar – ich muss dahinter bleiben um überhaupt zu erkennen, wohin ich fahren muss. (Ich habe diese Lichter wie hypnotisiert angeschaut, in der Hoffnung sie führen uns aus diesem Schneealbtraum heraus.) Die Kinder, die bisher recht ruhig geblieben waren, machten sich nun lautstarker bemerkbar. Die Fahrt dauerte ja auch schon mehr als 2 Stunden; eigentlich hätten wir so langsam mal Pause gebraucht. Angesichts der verzweifelten Sicht-Situation riefen Motherbirth und ich ziemlich gleichzeitig, dass alle jetzt bitte ruhig sein sollen, da sich der Papa doch ein bisschen konzentrieren müsse. Ich zweifelte sehr, ob unsere gerade mal 5 Monate alte Tochter diese sehr komplexen Zusammenhänge verstehen würde; aber irgendwie verstand sie es – vermutlich nicht die komplexen Zusammenhänge, sondern die Angst, die in unseren Stimmen mitschwang. (Ich glaube auch, dass selbst kleinste Kinder instinktiv die emotionale Stimmung wahrnehmen, insbesondere wenn es um Gefahrensituationen geht.) Ich bin meinen Kindern im Nachhinein so dankbar – ich kann es mit Worten schwerlich beschreiben – es wurde noch viel schlimmer, aber beide waren über die gesamten 10 Stunden so ruhig, wie ich sie noch nie erlebt habe. Es stimmt wohl tatsächlich: gefährliche Situationen können kleine Kinder erkennen und entsprechend reagieren… (Das hat uns in früher Vorzeit das Überleben gesichert – meine „Steinzeitbabys“ haben noch einen sehr guten Draht dahin 😉 ) Ich schweife aber ab – nach endloser Folgefahrt kamen wir nun bei unserem ersten geplanten Stopp an: Elverum. Ich schaffte es irgendwie auf den Parkplatz vor der Elgstua einzubiegen, machte den Motor aus und freute mich auf den dringend benötigten Kaffee (und die Toilette und das Essen! Ich als Still-Mama hatte soooooo Hunger.) – wunderte mich aber schon, warum kein einziges Auto auf dem großen Parkplatz stand. Ich stieg aus; stiefelte durch den bereits ca. 25 cm hohen Schnee und stand … vor verschlossener Tür. Ein freundliches Schild in norwegisch teilte mir mit, dass unser erhoffter und ersehnter Stopp renoviert werden müsse, aber schon bald wieder in neuem Glanze eröffnet wäre. In diesem Moment wurde mir ganz schlecht, wie sollte ich das nun meiner wartenden und hungrigen Familie erklären? Mit gesenkten Blick wanderte ich zurück durch den Tiefschnee und musste die schlechte Nachricht überbringen. Motherbirth traf es am meisten – BusyBee musste nun also auf dem Vordersitz von mir gewickelt werden und danach auf dem Rücksitz (auf dem VIERTELSITZ!!!!!) von Motherbirth gestillt werden. NotYet war so still, wie ich ihn noch nie erlebte – Hunger hatte er jedenfalls keinen mehr. Ich war kurz davor in dem nahen Hotel einzuchecken – aber auch das wurde renoviert … #Pechsträhne Ich schaute auf mein Handy, dass sagte auch für den morgigen Tag Unwetter an, also schlug ich vor, dass wir einfach langsam weiterfahren. (Mir war nicht wohl bei dem Vorschlag, aber ich stimmte zu, da ich keine Alternative anzubieten hatte…) Nochmal schnell raus, da das Auto in den 15 Minuten bereits vollumfänglich eingeschneit war und danach fuhren wir wieder los. 100 Meter weiter bereute ich den Vorschlag schon – der Schnee nahm weiter zu – ich sah nur noch eine weiße Wand. Irgendwo musste doch der Kreisverkehr sein – ich sah ihn nicht. Sonst auch niemanden und ich fühlte mich so hilflos wie noch nie in meinem Leben. Irgendwie schrie ich wohl irgendwas – ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern – jedenfalls fand Motherbirth dann den richtigen Weg und lotste mich durch die Stadt. (Für mich grenzt es immer noch an ein Wunder, dass ich tatsächlich den Weg gefunden habe – von der Rückbank aus!) Mit ca. 30 km/h fuhr ich nun wieder einem anderen Auto hinterher, welches leider kurz danach sein glückliches Ziel fand. Wie mussten noch ca. 200 km weiter! Plötzlich war ich wieder im NICHTS. Die Straße war nicht mehr zu sehen, der Schnee war dicht – wie eine Wand. Auf der rechten Seite erblickte ich zum Glück diese orangen Stangen, die ich bisher immer übersah oder belächelte. Nun wusste ich wofür die sind: Sie sind das einzige Element, das dem wahnsinnigen Autofahrer zeigt, was Straße und was Wald/Abhang etc ist. Ich konnte manchmal bis zur nächsten Stange schauen, meist konnte ich diese erst dann erkennen, als ich sie schon fast überfahren hätte. Es fuhr niemand mehr, außer uns. (Das erlaubte uns MITTEN auf der Straße mit Warnblinker anzuhalten, um Pinkeln zu gehen. Mitten im Nirgendwo. Im Tiefschnee – hüfthoch. Ein Vergnügen…:-( Mit der Angst im Nacken, dass doch noch ein andererwahnsinniger Autofahrer unterwegs ist, der unser Auto nicht sieht und ungebremst in uns reinkracht. Aber es war mehr als notwendig.) Also kämpften wir uns ca. 90 km weiter bis nach Trysil. Dort wollte ich aufhören und uns ein Hotel suchen – aber dann kam das Wunder. Der Schnee hörte etwas auf. Ich konnte ca. 50 m schauen und mich überkam ein Hochgefühl, welches ich bisher nicht kannte. Ich war euphorisch und wir konnten nun ca. weitere 70 km bis Drevsjo recht gut fahren. (Ich war nun auch bester Dinge, trotz Hunger aus der Hölle und abgestorbenen Beinen – #keinPlatz) Ich wähnte mich schon fast am Ziel, dann begann der Terror erneut – auf einem ganz neuen Level. Von einem Moment zum nächsten war sie wieder da: die Schneewand. Irgendwie fand ich den Weg durch den kleinen Ort, schaffte die schwierige Kurve um auf die Straße zur letzten Etappe einzubiegen und konzentrierte mich wieder auf die orangen Stangen. In der Zwischenzeit war es bereits stockdunkel geworden, und es wurde immer schwerer die orangen Stangen rechtzeitig zu erkennen. Aber wir hatten Glück – auf unserer Straßenseite war kürzlich geräumt worden. Da war es wieder dieses Hochgefühl nach der Todesangst. Es waren angenehme 20 Kilometer, dann hörte ich von hinten Motherbirth aufschreien (in allerhöchster Panik!!!!). Warum sie es vorher sah als ich, weiß ich bis heute nicht, aber plötzlich war da eine Schneewehe – ca. 1,5 Meter hoch – bremsen ging nicht mehr, also fuhr ich durch. Alles wurde weiß, das Auto fing an zu schlingern und dann waren wir – wie durch ein Wunder – durchgefahren. Leider waren die Straßenverhältnisse nach dieser Barriere so schlecht, wie auf der gesamten vorherigen Strecke nicht. 50 cm Neuschnee machen es schwer, ordentlich zu fahren. Endlos wurden die letzten 30 Kilometer – wir schlitterten langsam durch den Tiefschnee nach IDRE. Wir schafften es am späten Abend. Nun also „nur“ noch der Weg nach IDRE FJÄLL – noch ca. 400 Höhenmeter schaffen. Nichts war geräumt; am Straßenrand erahnten wir ein Schneemobil, welches neben der Straße in den Graben gefahren war. Aber auch das schafften wir – wir erreichten unseren Zielort. Ich konnte heulen vor Glück und war dankbar, dass wir diese Tortur gemeinsam überlebten. Ich dankte Gott und jedem, der es hören wollte oder auch nicht. Nun wusste ich, was dieses „White-Out“ bedeutete. In der Nacht schlief ich vor Erschöpfung sehr schnell ein und träumte vom Schnee (Ich vermute es war ein Albtraum – vom Feinsten…).

*EUER HERZENSMANN*

Mir bleibt hier nur noch hinzuzufügen: Wir sind verrückt genug (nach unserem Sehnsuchtsort) gewesen, um direkt im Anschluss den Urlaub für das nächste Jahr zu planen und zu buchen! #Unverbesserlich 😉

Ach übrigens noch eine kleine Randnotiz: es wäre für uns auch nicht besser gelaufen, wenn wir an Bord der ColorLine geblieben wären! Freunde von uns, die wieder zurückgefahren sind, haben nichts Gutes berichtet:

  • Wellen, die bis Deck 10 gegen die Bullaugen schlugen
  • das Wasser des Schwimmbades, war nicht mehr in den Becken, sondern außerhalb
  • die Fahrstühle wurden alle ausnahmslos abgeschaltet – zu gefährlich!!!
  • alles was in der Kabine nicht fest verschraubt oder sind irgendwie befestigt war, machte sich selbstständig…
  • am Morgen sollen die Gänge intensiv nach Desinfektionsmittel geduftet haben – jeder kann sich an dieser Stelle denken, warum…

Verständlicher Weise gibt es zu diesen beiden Blogbeiträgen keine Fotos. Wir hatten andere Probleme zu bewältigen, als das „Naturschauspiel“ in Bildern festzuhalten. Ich bitte um Entschuldigung 😉 ….

*EURE MOTHERBIRTH*

#Schnee #Sturm #Schneesturm #Sturmtief #Blizzard #Whiteout #IdreFjäll #Schneekatastrophe #Winterwahnsinn #Autofahren

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6 Gedanken zu „Elon und Felix – the next level“

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