Geburt

INTRAversion – eine Reise zu mir selbst beginnt

Doch noch ein Geburtsbericht

Ja, ihr dürft feiern, nun ist es endlich so weit: BusyBees Geburt wird verbloggt!!! 🙂 Kein „klassisches“ Geburtsprotokoll mit Zeitangaben, Zentimeterangaben und Untersuchungsergebnissen – vielmehr möchte ich euch zu einer Reise in meine Gefühls- und Gedankenwelt einladen. Denn je weiter die Geburt fortgeschritt, desto mehr habe ich mich in meinem Körper zurückgezogen und die Außenwelt ausgeschlossen. Aus diesem Grund nenne ich meinen Geburtsbericht auch: INTRAversion 😉 Also tretet ein und unternehmt mit mir eine kleine Geburtsreise…

Eine mini kleine Hypnobirthing-Sprach-Kunde 😉 :

Wehe – Welle

Warten auf den Wetterwechsel

Hochsommer 2014: ich beobachte die Wetterprognosen schon seit einiger Zeit. Immer wieder Hitzegewitter, aber die Großwetterlage bleibt unverändert. Ich weis, dass ich mich noch gedulden muss. Endlich zeichnet sich ab, dass die Hitzewelle enden könnte. Ich lächle in mich hinein. Bald ist es so weit. Wir sitzen abends im Garten und genießen lange die laue Abendluft. Nichts deutet auf einen Wetterwechsel hin. Hatte sich der Wetterbericht mal wieder geirrt? Der ET was schon verstrichen und die gesamte letzte Woche gab es nicht einmal eine einzige winzig-kleine Übungswelle – nicht mal beim Stillen von NotYet!!! Sollte mein Wunsch nach einer natürlichen Geburt am Streik meiner Gebärmutter scheitern? Kurz flammen Zweifel in mir auf – machen sich unangenehm in meinem Magen breit. Die ständigen Nachfragen – auch vom Herzensmann – verunsichern mich. Trotzig wiederholte ich fast gebetsmühlenartig: „Wenn sich das Wetter ändert, dann geht die Geburt los.“ Punkt. Woher ich diese Gewissheit nahm? Keine Ahnung. Ich verkündetet diese Weissagung übrigens auch den Hebammen im Geburtshaus … ICH sollte Recht behalten 🙂 Bitte merken: der intuitive Instinkt einer Schwangeren ist einfach unschlagbar! 

Donnergrollen und Monsterwellen

Wir gingen spät ins Bett. Ich schlief schnell ein – bis, ja bis ich wie von einer Tarantel gestochen aus dem Bett sprang (mit diesem unglaublich voluminösem Bauch eigentlich völlig unmöglich 😉 )! Ich hatte eine Monsterwelle – wie aus dem Nichts. Bildlich gesprochen: ein Tsunamie hat mich aus dem Tiefschlaf gerissen! Ich war unvorbereitet auf diese Naturgewalt, die mich ganze 3 Minuten überrollen sollte. OMG!!! Merke: Hypnobirthing funktioniert nicht, wenn dein Baby zusammen mit deiner Gebärmutter ein Überraschungsangriff plant… Kaum ebbte die Welle ab, hörte ich draußen ein gigantisches Donnergrollen. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Wenn das mal kein Timing war 🙂 Ich bin übrigens heute noch davon überzeugt, dass diese allererste Welle den Muttermund mit einem Schlag auf 4cm geöffnet hat. Alles was danach kam, war ein Kinderplanschbecken 😉 …

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Donnergrollen, ein Gewitter zieht auf – BusyBees Geburt beginnt

Zeit zu zweit

Ich schlich alleine nach unten. Der Herzensmann und NotYet blieben schlafend im Bett zurück. Stellte meine Entspannungsmusik an, dämmte das Licht, nahm mir die Yogamatte und den Gymnastikball. Ich genoß diese Zweisamkeit: ich und mein Baby. Wundervoll. Nur wir zwei. Ich begann mit BusyBee zu sprechen: sagte ihr, dass ich mich sehr freue, sie bald  kennenlernen zu dürfen. Ich war aufgeregt und etwas ungeduldig, wie ein kleines Kind an Weihnachten. Eine Vorfreude ungeahnten Ausmaßes erfasste mich. Ich wäre am liebsten durch die nächtlich stillen Straßen unseres Dorfes gelaufen und hätte meine Euphorie laut hinaus geschrien. Die nächsten Wellen ließen auf sich warten. Trotz der Abstände von 40-50 Minuten konnte ich an ihrer Intensität erkennen, dass die Geburt tatsächlich begonnen hatte. Gänsehaut überzog mein Rücken. Alles kribbelte vor Aufregung. Ich konnte es kaum erwarten – freute mich so unglaublich auf die Geburt. Ich sehnte sie förmlich herbei.

Wehenförderung mal anders – Stillen statt Tropf

NotYet erwachte und wollte gestillt werden. Ich ging nach oben und legte mich zu meinen beiden Männern ins Familienbett. DIE Gelegenheit für eine natürliche We(h)llenförderung, dachte ich mir so insgeheim! Und so war es dann tatsächlich auch: kaum haben wir mit dem Stillen begonnen, spürte ich auch schon die erste stärkere Welle. Einige Minuten später die nächste, dann die übernächste. Sie folgten jetzt in immer kürzeren Abständen. Ich war begeistert, wie einfach und unkompliziert die Natur – mein Körper – funktionierte. Alle Rädchen griffen in einander. Einfach perfekt! Noch nie habe ich meinen weiblichen Köper so sehr geliebt, wie an diesem Tag! Leider konnte und mochte nicht mehr liegen. Instinktiv schien das auch NotYet zu spüren und beendete das Stillen von sich aus. Die Abstände der Wellen wurden wieder etwas größer, aber überschritten nicht mehr die 20 Minutengrenze. Zwischenziel erreicht: Geburt ist nun im vollem Gange. Nur der Herzensmann ist noch ahnungslos 😉

Der Wunsch zu bleiben

Als ich dem Herzensmann die frohe Botschaft verkündet hatte, kann auch er es kaum glauben, dass wir bald unser zweites Kind in den Armen halten dürfen. Während der Herzensmann das wochenendliche Frühstück vorbereitet, ziehe ich mich mit NotYet ins Wohnzimmer zurück. Er streichelt ungefragt bei jeder Welle meinen Rücken. Er freut sich bald „großer“ Bruder zu werden. Ich mit meinen Kindern – eine wundervolle Einheit, die sich ohne Worte zu verstehen scheint. Hier könnte ich bleiben – genau hier! Dieser Gedanke war schon früher da gewesen. Ich habe mit im gespielt: Was wäre, wenn ich allein zu Hause bin und die Geburt beginnt? Würde ich tatsächlich zum Telefon greifen? Wen würde ich anrufen? Wann würde ich anrufen? Vielleicht zu spät? Extra?… In den Tagen vor BusyBees Geburt fühlte ich mich unheimlich stark und selbstsicher. Ich traute meinem Körper schier alles zu: vom Gefühl her, hätte ich auch Vierlinge in Beckenendlage auf einer ICE-Toilette allein gebären können …  – so weit zu meinem Größenwahn 😉

Aufbruch, Abschied, Autofahrt – das teuflische Trio

Die Option des verzögerten Anrufes fiel weg, da es, wie gesagt, Wochenende war und der Herzensmann anwesend. Für Außenstehende machte es vermutlich nicht den Eindruck, als wenn die Geburt im vollem Gange ist – ja, Hypnobirthing ist wirklich sehr entspannend 🙂 – aber der Herzensmann kennt mich einfach ZU gut. Mist :/ Er hat hinter meine Fassade geschaut. Wusste, dass wir JETZT fahren müssen, wenn wir noch ins Geburtshaus wollten. Also stimmte ich zu – Zähne knirschend -, dass er meine Eltern benachrichtigte und die Nummer der Rufbereitschaft wählte. Die nette Hebamme sagte, wir könnten uns langsam auf den Weg machen, da der Abstand zwischen den Wellen ja noch so groß und unregelmäßig ist. Die Betonung lag auf LANGSAM!!!! Ich dachte: „Wenn die wüsste…“, sagte aber nichts. Meine Eltern kamen. In ihrem Schlepptau: Unruhe, Angst und Nervosität. Ich fühlte mich in meinem eigenen Haus sofort unwohl. Das also sollte mein „Rausschmeißer“ sein? Meine eigenen Eltern? Ich hatte jetzt tatsächlich das Bedürfnis ins Geburtshaus zu fahren. Weg von dieser schlechten Stimmung, die meine guten Gefühle zu ersticken drohten. Ich weis, sie machten sich nur Sorgen, aber genau das blockierte mich. Sie glaubten einfach – ganz tief in ihrem Herzen – nicht an meine Gebärfähigkeit! Solche Menschen wollte und sollte ich nicht in meiner Nähe haben. Nicht jetzt, wo ich mich entspannen und öffnen soll/muss. NotYet bemerkte sofort die veränderte Stimmung im Haus. Er hat sehr feine Antennen – ein hochsensibles Kind. Er wurde verunsichert, die Angst seiner Großeltern übertrug sich auf ihn, wurde zu seiner eigenen. Er bekam Angst um mich – irrational, da er den Grund nicht verstand; immer noch nicht! Dann weinte er – bitterlich. Instinktiv hatte sich mein großer Kleiner auf die Geburt gefreut; er hatte keine negativen Assoziationen zum Thema Geburt – ganz im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen, die immer eine ganze Kaskade an negativen Geschichten in ihrem Gedankenkarussell mit sich führen. Insbesondere und gerade beim Thema Geburt. Leider. Seine kindliche Unbekümmertheit, seine wunderbare Naivität, die mir so unheimlich gut tat, wurde ins Wanken gebracht. Ich möchte mich bei ihm entschuldigen: „Es tut mich so unendlich leid, mein kleiner Schatz, dass ich dich in dieser Situation allein lassen musste. Ich werde es nicht wieder tun. Versprochen!“ ❤ Aber ich musste weg – SOFORT! – und drängte den Herzensmann zur Abfahrt. Die kurze Autofahrt war die Hölle, da ich nicht sitzen konnte und wollte. Nun endlich sehnte ich das Geburtshaus herbei…

Fortsetzung folgt… Bleibt gespannt 🙂 – „INTRAversion – weit weg in einer anderen Welt“

*EURE MOTHER BIRTH*

#Geburt #Geburtshaus #Hypnobirthing # schmerzfrei 

 

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16 Gedanken zu „INTRAversion – eine Reise zu mir selbst beginnt“

  1. Oh, ich freu mich auch schon auf Teil2! Ganz schön geschrieben, ich bin bei meiner zweiten Geburt auch noch ziemlich lange Zuhause geblieben, und hab mit dem Grossen gekuschelt, ach hat das gut getan! Und ja, diese SuperheldinnenMamaKräfte sind einfach nur unbeschreiblich, frau kann sie nicht in Worte fassen! Viel Spass beim Meisterin der Geburt lesen, find es auch ein ganz tolles Buch!

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  2. „vom Gefühl her, hätte ich auch Vierlinge in Beckenendlage auf einer ICE-Toilette allein gebären können“ – oh das ist kein Größenwahn, das ist die richtige Selbstsicherheit für eine Geburt! Dieses Gefühl hatte ich wirklich auch bis zwei Tage vorher. 🙂

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    1. Jetzt bin ich aber aufgeregt 🙂 …. DU findest, dass ich schön schreibe?! Ich bin völlig aus dem Häuschen, dass du meinen Blogbeitrag kommentiert hast!!!! Ich lese gerade dein Buch und ich muss sagen: ich bewundere dich zu tiefst. Das Buch ist ein wahrer Schatz für mich und eine Quelle von neuen Erkenntnissen – vielleicht auch alten Erkenntnissen, die mir aber nie so bewußt gemacht wurden.
      Durch dich und deinen Blog konnte ich nach verzweifelter Suche endlich benennen, was mir bei der Geburt von BusyBee „passiert“ war: #Geburtslust !!!! Du kannst dir gar nicht vorstellen , wie dankbar ich dir dafür bin. UNENDLICH!!! Vorher war ich nahe daran zu denken, dass ich mir das alles nur eingebildet hatte. Irgendeine bizarre Wahnvorstellung, oder so. Erst durch deinen Blog habe ich verstanden, was ich gespürt hatte und das ich nicht alleine war. Es gibt noch mehr Frauen.
      Nach der Lektüre deines Buches, habe ich festgestellt, dass ich un- oder unterbewußt viele Punkte „richtig“ gemacht habe, um eine orgastische Geburt erleben zu können. Beim 3. Kind habe ich den dringenden Wunsch wieder diese überwältigende Geburtslust zu verspüren! ich bin mir sicher, dass dein Buch mir dabei helfen wird!
      Du bist ein absolutes Vorbild für mich!

      In voller Bewunderung und Dankbarkeit
      Mother Birth

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