Gastbeiträge - von euch für mich, Stillen

{2} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von ÖkoHippieRabenmütter

Nachdem ich über Twitter einen kleinen Aufruf:

Wer möchte gerne einen #Gastbeitrag für meinen Blog schreiben? Suche #Anekdoten zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit.

gestartet hatte, bekam ich eine unglaubliche Resonanz, mit der ich gar nicht gerechnet hatte. So viele liebe Menschen wollten spontan bei mir auf dem Blog ihre #Anekdote erzählen. Vielen lieben Dank dafür ❤ – ich bin wirklich gerührt davon und freue mich jetzt schon riesig über die unterschiedlichsten Geschichten, die ihr zu erzählen habt.

Katrin von ÖkoHippieRabenmütter ist ebenfalls diesem Aufruf gefolgt. Das freut mich insbesondere, da sie sich gerade in der Ausbildung zur Stillberaterin befindet 🙂 Vielen lieben Dank ❤ , dass du deine vielschichtige #Anekdote mit uns teilst und die Wechselwirkungen zwischen Innen- und Außenwirkungen so schön bildlich dargestellt hast.

Ihre eigene Stillgeschichte erzählt die liebe Katrin noch umfangreicher auf ihrem Blog in dem Beitrag – Der Tag an dem ich meine Brust entdeckte. Lest gerne auch dort mal rein ❤


Testphase – das unperfekte Timing …

Die ersten Male „öffentlich stillen“ waren eigentlich wenig öffentlich. Ich übte sozusagen erst einmal vor Publikum in den eigenen vier Wänden oder auch mal bei einer Freundin. Ich legte und lege stets großen Wert darauf, dass meine Privatsphäre meine Privatsphäre bleibt und dazu gehört nun mal auch, nicht jedem Wildfremden meine Brust zu zeigen. Ich gehöre nicht zu den besonders geschickten Müttern und noch dazu habe ich einen ziemlich – ich nenne es mal – engagierten Milchspendereflex. Alles in Kombination führt dazu, dass ich umständlich versuche, meine Brust raus zu kramen, ohne dass sie jemand sieht, während das hungrige Kind mir schon in den Pullover beißt, mein Gehirn schon den Befehl „ANSCHALTEN!“ an die Brust sendet und ich, nassgeschwitzt und ungeschickt hantierend, schon die ersten Muttermilchspritzer auf Kind, Pulli und Welt verteile. Kurzum: nicht glücklich. Ich testete also und fühlte mich mit zu vielen Augen schlicht unwohl.

Wenn das eigene Unwohlsein auf die Realität trifft – Zweifachmama

Meine Entscheidung, das Stillen in der Öffentlichkeit also zu unterbinden, war schnell gefasst. Bei meinem ersten Sohn machte ich mir also häufig den Stress, bei einer Verabredung im Café oder sonstwo, vorher abzupumpen, in eine Pulle zu füllen, mitzunehmen und bei Anzeichen von Hunger beim Servicepersonal eine Milchkaffeetasse voll heißem Wasser zu bestellen. Jetzt, bei Kind zwei, kann ich nur noch müde über derlei Eitelkeiten lachen: meine Kinder sind gerade mal 19 Monate von einander getrennt geboren. Ich musste sehr schnell nach der Geburt meines zweiten Sohnes lernen, überall und immer, in jeder Position und möglichst ohne großes Schamgefühl, zu stillen. Nicht, weil man sich als Mutter ja ach so sehr aufopfert – nur für den Fall, dass mir das jetzt jemand vorwerfen wollte. Nein, sondern weil Öffentlichkeit für ein nicht mal zwei Jahre altes Kind einfach Entdecken, Kennenlernen, WEGRENNEN heißt. Und man ständig hinterher muss. Und sich das Baby im Tuch befindet, man aber keine Zeit hat, es noch 12 mal wieder neu zu binden. Und dieses Baby schreit und weint wenn es hungrig ist, was dem großen Bruder aber herzlich egal ist, wenn die Kinderspielecke des Cafés nun mal einfach viel spannender ist. Und um weder mein großes Kind irgendwo zu verlieren, noch mein kleines Kind verhungern zu lassen, gab es zunächst nur die Option: im Tuch, in der Kinderspielecke, beim Füttern des großen Kindes oder wie auch immer öffentlich zu stillen. Stell dich mal nicht so an! Ich ließ es bald darauf komplett bleiben, mit voll gestilltem Kind ohne einigermaßen vorhersagbaren Rhythmus und Kleinkind in Autonomiephase Cafés zu besuchen – aber das ist wieder ein anderes Thema.

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Hinter verschlossenen Türen…

„Stillen ist nun mal nur von oben schön!“

Während ich mir also nach und nach aneignete, so ziemlich überall und nirgends zu stillen, kam mir eine Erinnerung an die Testzeit nach der Geburt des ersten Babys immer wieder in den Sinn. Ihr erinnert euch: in der Öffentlichkeit hatte ich nicht gern gestillt, sondern nur bei Freunden oder vor Freunden zu Hause. Und so geschah es, dass ich eines Tages meine Bekannte zu Besuch hatte. Das Baby hatte Hunger, ich legte ihn an. Es wurde relativ schnell ruhig im Raum und meine Bekannten schauten gezielt weg. Keiner wollte mir auf die Brust starren, es war ihnen offensichtlich unangenehmer als mir und ich wusste, dass einfach die Erfahrung und die Berührungspunkte mit stillenden Müttern fehlten; ich war die Erste. Beim nächsten Treffen, das nicht bei mir, sondern bei einer der damals anwesenden Damen stattfand, verließ ich zum Stillen den Raum und suchte das nebenliegende Arbeitszimmer auf. Als ich zurückkam, passierte es: die Gastgeberin bedankte sich bei mir dafür, nicht vor ihnen gestillt zu haben. Ich fragte nach, wie sie das meine.

„Naja“, sagte sie verlegen, „Stillen ist nun mal nur von oben schön!“

Sie selbst hatte nie gestillt, hatte auch kein Kind, würde es aber nicht ausschließen. Schließlich wisse sie ja auch um die Vorteile und habe nichts dagegen. Doch einem schmatzenden Baby dabei zuzusehen, wie es an einer Brust rum nuckelt, sei nun mal nicht jedermanns Sache. Sie würde es daher bevorzugen, wenn Frauen ihre Kinder etwas privater oder geschützter stillten.

Belastendes „Gepäck“, was das Baby sorglos über Bord wirft – zauberhaft

Damals, mit eigenen Komplexen und ohne Stillerfahrung, wusste ich nicht anders zu reagieren, als mit ein paar vermeintlich lustig gemeinten Sprüchen und den Rest lächelte ich einfach weg. Ich fühlte mich – damals – nicht beleidigt, es war okay. Ich war ja schließlich selbst raus gegangen und nicht gezwungen worden. Mich traf es auch nicht wirklich – dachte ich.
Doch mit jedem Treffen in irgendeiner Öffentlichkeit, mit jedem Pumpen und mein Baby aus der Flasche trinken lassen, erinnerte ich mich an den Ausspruch: Stillen ist nicht schön, wenn man nicht die Mutter ist.“ Ich hatte den Satz immer im Gepäck und hängte die Idee, je wieder öffentlich zu stillen an den Nagel. Es war mein zweites Kind, dem dieser Satz so völlig egal war, der mich kurierte. Ich habe in den Monaten nach diesem Satz so viele stillende Mütter gesehen, so viele an der Brust schmatzende und schnalzende Babies, so viele Stillbilder und ich kann mich nicht erinnern, von auch nur einem einzigen peinlich berührt oder gar angeekelt zu sein! Ich starre genauso wenig auf Busen, Brustwarzen oder BH’s, denn diese kleinen zauberhaften Mündchen, die geschlossenen Augen, die kleinen, gefausteten Händchen, das Atmen, eben genau das schmatzen und Schnalzen dieser winzigen Personen überschattet jeglichen Scham oder andere, unbedeutende Gefühle, die irgendwie tief drinnen dann doch etwas mit sexueller Prägung der Brust zu tun haben. Es ist einfach nur zauberhaft!

Natürlich ein gutes Gefühl

Mittlerweile stille ich in der Öffentlichkeit, denn ich bin nicht bereit, mir von der Meinung anderer mein Leben erschweren zu lassen. Meine Söhne sind ganz zauberhaft und schmatzen kaum 😉 Meine Aus-dem-BH-pröckel-Technik ist etwas verfeinert und der Rest macht die Klamotte. Und auch wenn ich mich nicht davon lossagen kann, den Satz hin und wieder im Hinterkopf zu haben, so ist mir die Meinung über das Stillen in der Öffentlichkeit unserer Gesellschaft zu 90% egal. Und noch lieber wäre mir, wenn es 90% unserer Gesellschaft so ginge. Vielleicht schaffen wir alle ja ein paar Prozentpunkte mehr durch viele weitere Geschichten hier auf dem MOTHERBIRTHBLOG zum Stillen in der Öffentlichkeit.

Vielen lieben Dank, dass ich Gast sein durfte! Es war mir eine Ehre.

Eure Kathrin von ÖkoHippieRabenmütter 


Hier findet ihr die erste #Anekdote zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit


Vielleicht habt ihr auch eine nette kleine oder größere #Anekdote zum Thema: Stillen in der Öffentlichkeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure #Anekdote bei mir als #Gastbeitrag teilen würdet! Hab ihr Lust? Dann meldet euch gerne per Mail bei mir unter: motherbirth@gmx.de!!! Ich freue mich ❤

 

*EURE MOTHER BIRTH*

#Anekdote #Öffentlichkeit #Stillen #Gastbeitrag #Unwohlsein #Schamgefühl #Unsicherheiten #Innenwirkung #Außenwirkung

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36 Gedanken zu „{2} Stillen in der Öffentlichkeit – #Gastbeitrag von ÖkoHippieRabenmütter“

    1. Aber die Geschichte zeigt auch, wie stark solche negativen Sätze nachwirken können… und nicht alle schaffen es so toll, sich im Anschluss daran zu befreien von solchen Aussagen des Umfeldes! Das finde ich sehr bedauerlich 😦

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      Gefällt mir

  1. Ich habe mir um das Stillen in der Öffentlichkeit nie Gedanken gemacht, für mich war einfach klar, dass das Baby überall gestillt wird, wenn er Hunger hat. Dann war das Baby da und ich las Texte über Frauen, die aus dem Bahnrestaurant vertrieben worden sind, weil sie dort stillen wollten. Da wurde mir erst bewusst, dass Stillen in der Öffentlichkeit ein ganz schön großes Thema ist. Ups. Das hatte ich vorher nie so wahrgenommen. Zum Glück klappte das Stillen bei uns von Anfang an sehr gut. Das erste Mal draußen gestillt habe ich den Kleinen im Pferdestall, so halböffentlich. Als ich merkte, dass er auch außerhalb von zuhause keine Probleme mit dem Stillen hat, wurde es auch in der Öffentlichkeit gestillt, aber durch all die negativen Berichte im Kopf über Busfahrer, die stillende Mütter rauswerfen usw gab es immer wieder Situationen, in denen ich dachte „Ah, jetzt bitte keinen Hunger bekommen, Baby.“ Schlechte Erfahrungen habe ich zum Glück nie machen müssen, aber es reichte vollkommen, die negativen Erfahrungen anderer zu lesen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der sich keine Mutter irgendwelche Gedanken machen muss, ob sie nun öffentlich stillen kann oder darf. Es sollte einfach NORMAL sein. Nichts besonderes – einfach alltäglich, so als wenn jemand im Café sitzt und einen Kaffee trinkt. Darüber redet keiner und es macht sich auch niemand Gedanken darüber! So sollte es auch beim Stillen sein.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      Gefällt 2 Personen

  2. Ich habe Zwillinge gestillt, die immer gleichzeitig Hunger hatten. Ich weiß nicht wie ich es ausgeschaltet habe, aber das Schamgefühl war einfach nicht da. Erst als sie größer wurden, wollte ich sie nicht mehr gleichzeitig stillen (öffentlich), denn das entblößt einen wirklich sehr.
    Mit der Jüngsten hatte ich dann doch wieder mehr Schamgefühl komischerweise. Aber das ging relativ schnell vorbei. 🙂

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      1. Da wäre weniger auch mehr gewesen. Ich frage mich manchmal ob es anders gelaufen wäre, wenn ich damals nicht zur Feindiagnostik gegangen wäre. Der Arzt da hat mich total verrückt gemacht. Gesagt ich müsste nun regelmäßig kommen und froh sein, wenn ich überhaupt weit komme mit der Schwangerschaft. 👎🏻👎🏻👎🏻

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        1. Man weiss das nie im Nachhinein, aber Angst und Verunsicherung sind sicherlich nie förderlich für eine Schwangerschaft… 😦 Wieso sind alle fast alle Gynäkologen immer so destruktiv eingestellt und sehen nur die Risiken und Probleme? Das ist weder schön für die Frauen noch hat das irgendeinen medizinischen Nutzen.
          Aber auch hier gilt mal wieder mein Lieblingssatz: Nachher ist man immer schlauer…

          Liebe Grüße
          Mother Birth

          Gefällt 1 Person

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