Geburt, Mother Birth

Ich-Selbst

Der Wendepunkt oder warum sich etwas Àndern musste

Meine erste Geburtserfahrung hat mich meiner MenschenwĂŒrde beraubt, mir meine WĂŒrde als Frau genommen, mein Recht auf körperliche Unversehrtheit wurde mit FĂŒĂŸen getreten, meine Selbstbestimmtheit beschnitten, mein Kind wurde mir weggenommen, meine Achtung und mein innerer Halt wurden gebrochen. Ein Scherbenhaufen blieb zurĂŒck. So wollte ich nie wieder gebĂ€ren – entbunden werden! Ich wurde nicht nur ENTBUNDEN von meinem Kind, sondern auch von meinen Rechten, meiner Verantwortung und meiner Selbstbestimmung.

Das kleine Wörtchen „SELBST“

Ich habe die lĂ€ngste Zeit meines Lebens dem Wörtchen „SELBST“ kaum bis keine Beachtung geschenkt. Leider… Ich hĂ€tte es tun sollen. Es gibt so viele Worte, die mit der Vorsilbe „SELBST“ beginnen. Ist das euch schon mal aufgefallen? Es sind extrem viele!

  • SelbstermĂ€chtigung
  • Selbstwert
  • SelbstwertgefĂŒhl
  • Selbstvertrauen
  • Selbstbestimmung
  • Selbstverantwortung
  • Selbstachtung
  • Selbstliebe

Um hier nur einige zu nennen, die mir im Bezug auf meine selbstbestimmte Geburtserfahrung besonders wichtig erscheinen. Und wieso?

Weil ich bei meiner ersten Geburt andere Menschen bemĂ€chtigt habe Entscheidungen fĂŒr mich zu treffen. Weil ich mich, meine BedĂŒrfnisse und GefĂŒhle weniger wert schĂ€tzte als die anderer. Weil ich kein Vertrauen in mich, meinen Körper und meine GebĂ€rfĂ€higkeit hatte. Weil ich andere ĂŒber mich und mein Leben habe bestimmen lassen. Weil ich die Verantwortung fĂŒr mich und mein Kind nicht ĂŒbernommen habe, sondern sie an Fremde abgegeben habe. Weil ich keine Achtung vor mir selbst hatte und somit auch andere dies nicht haben konnten. Weil ich mich selbst nicht lieben konnte – immer meine Fehler und UnzulĂ€nglichkeiten sah und nicht meiner StĂ€rken.

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Mein Weg zu mir selbst

Nehme ich das Wörtchen „SELBST“ weg, Ă€ndert sich die Wortbedeutung. Sie kehrt sich  ins Gegenteil um. Es fĂŒhrt mich weg von mir – von meinem ICH. Ich erkannte, wie wichtig es ist, bei seinem SELBST anzukommen, es wahrzunehmen – es anzunehmen. Es bedeutet auch sich selbst als Person anzunehmen, sich wert zu schĂ€tzen. So war es zu mindestens bei mir. So lange ich das Wort „SELBST“ aus meinem Leben ausgeklammert hatte, habe ich mich quasi selbst aus meinem Leben ausgeschlossen. Habe andere das Ruder fĂŒr mich ĂŒbernehmen lassen. VordergrĂŒndig schien es der leichtere Weg zu sein. Aber hat er mich glĂŒcklich und zufrieden gemacht? Nein! Das Gegenteil war der Fall: ich habe mich abhĂ€ngig gemacht – von anderen, ihrem Urteil, ihren Entscheidungen, ihren GefĂŒhlen. Ich habe sie in das Zentrum meines Lebens – meines Seins – geholt, obwohl dieser Platz mir zustand und ich ihn einnehmen sollte. Als ich das Wörtchen „SELBST“ schließlich in mein Leben ließ und ihm meinem Sprachgebrauch und Denken einrĂ€umte, kam ich zu mir selbst. Ich wurde: Ich-Selbst! Das war die Grundvoraussetzung, damit ich selbstverantwortlich fĂŒr meine Entscheidungen eintreten konnte, die mir eine selbstbestimmte Geburtserfahrung ĂŒberhaupt erst ermöglichten.

Selbstverantwortlichkeit – mein SchlĂŒssel zur selbstbestimmten Geburt

Eins habe ich mir damals nach der traumatischen ersten Geburtserfahrung geschworen: die Verantwortung fĂŒr mich und meine Kinder nicht mehr in fremde HĂ€nde zulegen und abzugeben! SELBSTVERANTWORTLICH – so wollte ich in Zukunft mein Leben gestalten. Ich habe begonnen meine Ansichten zu hinterfragen. Woran glaube ich wirklich? Was sind meine eigenen Ängste? Welche Ansichten oder GlaubenssĂ€tze sind nur ĂŒbernommen von anderen, ohne dass ich selbst dahinterstehe? Ich recherchierte viel, las massenhaft BĂŒcher, bildete mir meine eigene Meinung, weil ich nicht mehr blind vertrauen wollte. Wissen ist Macht, mit der man andere zu Entscheidungen zwingen kann, wenn man sich nicht auf Augenhöhe unterhĂ€lt – ein Wissensvorsprung, meist auf Seiten der Geburtshelfer, verhindert dies. Ich wollte dieses MachtgefĂ€lle einfach nicht mehr akzeptieren! Der Hypnobirthing-Kurs war fĂŒr mich und meinen Mann wie eine Art Erleuchtung! Er bildete den Grundstein fĂŒr unsere Absage an die Ängste anderer. Wir fĂŒhlten uns befreit – von einer Last, die gar nicht unsere eigene war und die wir nun endlich nicht mehr mittragen mussten. Dadurch hat sich unser SicherheitsbedĂŒrfnis ebenfalls erheblich verschoben. Wir erachteten das Krankenhaus mit all seiner Technik und seinen medizinischen Möglichkeiten nicht mehr als den sichersten Geburtsort. Nicht fĂŒr uns. Wir vertrauten wieder mehr meinem weiblichen Körper, seiner GebĂ€rfĂ€higkeit. Unser Fokus lag nicht mehr auf der Geburt als Risiko, sondern erstmals darauf, dass die Geburt ein völlig natĂŒrlicher Vorgang ist, der keiner Überwachung bedarf. Heute glaube ich felsenfest an die physiologisch normale Geburt; und so kann ich dem Trauma auch seine gute Seite abgewinnen: es hat mich erst zu dieser Erkenntnis reifen lassen. Ich habe erstmals so richtig Verantwortung ĂŒbernommen – fĂŒr mich, fĂŒr mein Kind, fĂŒr meine WĂŒnsche und natĂŒrlich fĂŒr die Art und Weise, wie ich gebĂ€ren möchte – SELBSTVERANTWORTLICH. Diese zweite Geburtserfahrung hat letztendlich meine Selbstachtung, mein SelbstwertgefĂŒhl und mein Selbstvertrauen gestĂ€rkt und ich habe begonnen mich selbst so zu lieben, wie ich bin. Ein großartiges GefĂŒhl…

 

*EURE MOTHER BIRTH*

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2 thoughts on “Ich-Selbst”

  1. Liebe Motherbirth
    Ein wunderbar schöner Beitrag den du da geschrieben hast! Genau so sehe ich das auch. Mutter zu werden ist auch eine riesengrosse Chance, sich SELBST kennen zu lernen! Und genau diese Reise zu sich selbst und zu einem selbstbestimmten Leben beginnt schon in der Schwangerschaft und der Geburt.

    “ So lange ich das Wort „SELBST“ aus meinem Leben ausgeklammert hatte, habe ich mich quasi selbst aus meinem Leben ausgeschlossen. Habe andere das Ruder fĂŒr mich ĂŒbernehmen lassen.“

    Dieser Satz gilt fĂŒr alle Lebenslagen, und er ist so kraftvoll! So hat wohl deine erste, traumatische GeburtsGeschichte etwas sehr positives und transformierendes mit sich gezogen: die Erkenntnis, dass DU es in der Hand hast, dein Leben nach DEINEN WĂŒnschen und Vorstellungen zu leben, so wirst DU zum Gestalter deiner RealitĂ€t!

    Ich drĂŒck dich ganz fest und bedank mich von Herzen fĂŒr diesen tollen Text, er versĂŒsst mir den Start in die neue Woche!

    Deine Tanja

    GefÀllt 1 Person

Hinterlasst mir hier gerne einen Kommentar! Ich wĂŒrde mich sehr darĂŒber freuen <3

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