Schwangerschaft

Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft – eigentlich (k)ein Problem!

Immer wieder höre ich in letzter Zeit von schwangeren Frauen, denen Steine in den Weg gelegt werden, wenn sie sich bewusst für eine geteilte Schwangerschaftsvorsorge entscheiden. Also eine Vorsorge, die sowohl beim Frauenarzt, als auch bei der Hebamme stattfindet. Eigentlich dürfte dies KEIN Problem sein, aber so einfach ist das leider nicht!

Erschreckendes Beispiel

Ein Schreiben aus dem November 2016 erschreckte mich besonders. Dort wurde eine schwangere Frau genötigt eine Unterschrift zu leisten, mit der sie sich verpflichtete im gesamten Quartal Abstand von einer geteilten Vorsorge zu nehmen – ansonsten drohte die Frauenarztpraxis mit der privaten Übernahme der kompletten Behandlungskosten! Davon mal ganz abgesehen, wurde auch ein Arztwechsel mit der gleichen Drohung ebenfalls ausgeschlossen. (Details und Hintergrundinformationen zu diesem Fall findet ihr bei Silke von aberWEHE!„Geteilte Schwangerenvorsorge“) So eine Dreistigkeit macht mich fassungslos! Denn wer jetzt glaubt, dass das Recht auf der Seite des Frauenarztes ist, liegt falsch:

„Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sich in dieser Frage klar positioniert: Weigert sich der Arzt eine Vorsorgeuntersuchung durchzuführen, wie beispielsweise den Ultraschall, weil parallel die Hebamme ebenfalls Vorsorgeuntersuchungen durchführt und im Mutterpass dokumentiert, dann ist das ein Vertragsverstoß und der Arzt riskiert seine Kassenzulassung.“

Quelle: DHV

Eigentlich sollte die geteilte Schwangerschaftsvorsorge wie Puzzleteile in einander greifen - tut sie aber oftmals nicht! by Pixabay
Eigentlich sollte die geteilte Vorsorge wie Puzzleteile in einander greifen – tut sie aber oftmals nicht! by Pixabay

Es geht auch anders!

Ich habe letzte Woche selbst zum ersten Mal in dieser Schwangerschaft meine Frauenärztin kontaktiert. Zugegebenermaßen etwas verunsichert, aufgrund der vielen negativen Berichte von Frauen, denen der Wunsch nach der geteilten Vorsorge zum Verhängnis wurde, da ihre Frauenarztpraxen diesen ablehnten. Umso mehr habe ich mich über die Reaktion in meiner Frauenarztpraxis gefreut – insbesondere über den selbstverständlichen Respekt gegenüber meinen Entscheidungen! Kein Druck, kein Zwang, keine Bevormundung, keine Überredungsversuche – einfach nur Akzeptanz und Freundlichkeit. Und genau SO sollte es jede schwangere Frau erleben dürfen, die sich für eine geteilte Vorsorge entscheidet!

Ein gutes Beispiel…

Ein ideales Gespräch – ein gutes Beispiel, an dem sich vielleicht wieder mehr Frauenärzte orientieren sollten. Zum Wohl der schwangeren Frauen, aus Respekt ihren Entscheidungen gegenüber und aus dem Wissen heraus, dass für eine normal verlaufende Schwangerschaft immer noch die Hebamme DIE Kompetenzperson ist.

Mein Telefonat mit meiner Frauenärztin verlief in etwa so:

„Ich hätte gerne einen Termin für die Ultraschalluntersuchung in der Mitte der Schwangerschaft.“

„Oh, herzlichen Glückwunsch! Wie weit sind sie denn jetzt? Dann kann ich kurz ausrechnen, wann wir den Termin am besten planen. Wünschen Sie auch gleich die Vorsorge bei uns, oder möchten sie diese lieber von ihrer Hebamme machen lassen?

„Die Vorsorge möchte ich lieber bei meiner Hebamme machen lassen.“

„Ok. Dann sehen wir uns nur zum Ultraschall. Ich freue mich.“

„Schön, dass sie die geteilte Vorsorge mit der Hebamme so selbstverständlich annehmen! Das ist leider nicht überall so.“

„Warum nicht? Ich kann das nicht verstehen. Wovor haben die denn Angst? Das ihnen etwas weggenommen wird? Aber was…? Auf Wiedersehen!“

„Auf Wiedersehen!“

Mein Wunsch

Eine Schwangerschaftsvorsorge – Hand in Hand – ohne Vorurteile, ohne Druck, für eine optimale Versorgung der werdenden Mama – das wäre mein Wunsch! Kompetenzgerangel auf Kosten der Schwangeren finde ich persönlich unterstes Niveau. Wenn dazu noch Druck oder gar Nötigung kommt, bin ich fassungslos. Steht hier eigentlich noch das Wohl der schwangeren Frau im Vordergrund? Oder geht es hierbei um etwas ganz anderes? Auch Ärzte müssen akzeptieren lernen, dass eine Frau – nur weil sie ein Kind in ihrem Bauch trägt – trotzdem noch vernünftige und eigenständige Entscheidungen treffen kann. Eine Bevormundung ist nicht nötig. Die Übernahme von Verantwortlichkeiten, um die die Frau nicht gebeten hat, ebenfalls nicht. Derartige Übergriffigkeiten müssen und sollten nicht sein. Mein Wunsch

*EURE MOTHER BIRTH*

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12 Gedanken zu „Geteilte Vorsorge in der Schwangerschaft – eigentlich (k)ein Problem!“

  1. Meine Hebamme, der ich voll und ganz vertraute, übernahm bei meiner vierten Schwangerschaft die Versorge und begleitete auch die hausgeburt. Zum Arzt wollte ich nur für Ultraschall und Spritze, bin nämlich Rhesus negativ. War jedesmal ein Theater in der Praxis, Kommentare von den Helferinnen, von wegen wie verantwortungslos solches Verhalten sei… Die Spritze bekam ich nur, nach ctg, urinprobe, wiegen, eisenwert Kontrolle… Obwohl die Hebamme genau das, zwei Tage davor gemacht hat und es war alles in Ordnung. Habe das Spielchen mitgespielt, die Spritze sollte ja auch zeitnah gegeben werden. Danach bin ich nie wieder hin.

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    1. Liebe Elisabeth,

      eine solche Schikane von der Seite der Frauenarztpraxis aus, finde ich mehr als peinlich. Es macht mich wütend so etwas zu lesen. Und immer wieder diese platten Vorverurteilungen, dass man VERANTWORTUNGSLOS handeln würde. Ich kann es nicht mehr hören…

      Und warum sie alles noch einmal kontrolliert haben? Weil dann mehr zum Abrechnen da war! Durch die Hebamme haben die ja „Geld verloren“! Wie kann sie nur? Und du erst? *Ironie off*

      Du hast alles richtig gemacht und dich nicht beeindrucken lassen. Leider gelingt das bei Weitem nicht jeder Frau, gerade wenn er sich um das erste Kind handelt.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  2. Genauso blöd war aber, wie mir in der Schwangerschaft mit K1 die geteilte Vorsorge von der Gyn aufgezwungen wurde und das mit der Hebamme in der Praxis. Doppelt keine Wahl. Hab nach dieser Schwangerschaft sowohl Gyn als auch (schon zur Nachsorge) Hebamme gewechselt!

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    1. Es muss auch auf der menschlichen Ebene passen – auch und gerade mit der Hebamme. Erzwungene Zweiteams bringen aus meiner Sicht nichts. Auch hier sollte Frau frei wählen können, von wem sie betreut werden will bzw. wem sie Vertrauen schenkt.
      Aber du hast dann ja auch deine Konsequenzen daraus gezogen, in dem du gewechselt hast – zwar erst nach der Schwangerschaft, aber du hast es getan. Deine Wahl ❤

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  3. Es ist sowas von an der Zeit, dass wir Frauen uns wehren! Wir müssen es öffentlich machen, welche Steine uns in den Weg gelegt werden und durch wen. Wir sind nicht nur irgendeine Versicherungsnummer! Jede von uns, sichert den Fortbestand der Gesellschaft. Wir dürfen und müssen Forderungen stellen und uns Gehör verschaffen. Engagiert und wehrt euch, es wird nicht umsonst sein.

    Danke für den Beitrag Mother Birth, und auch für die Verlinkung. Liebe Grüße, Silke

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    1. Liebe Silke,

      der Beitrag war eine Herzensangelegenheit, denn es macht mich wahnsinnig wütend, wenn andere Mütter mir erzählen, dass sie „leider keine Hebammenvorsorge machen können, weil es der Frauenarzt verbietet…“
      Und die Verlinkung ist Ehrensache ❤

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  4. Ich habe leider das gegenteilige Negativbeispiel mit Hebammen erlebt. Ich wollte die Vorsorge wegen vorheriger Fehlgeburten bei meinem Gynäkologen machen lassen. Außerdem musste ich Medikamente nehmen und fühlte mich dort gut aufgehoben. Das passte der Hebammenpraxis nicht und ich wurde nur noch kurz abgespeist. Die Dame fühlte sich wohl ihrer Kompetenzen beraubt. Leider hat sie dann auch noch eine absolut irre Diagnose wegen meines Muttermundes gestellt und mich in unnötige Panik versetzt. Im Kreißsaal dann eine ähnliche Situation, weil ich nicht stillen wollte. Für meinen Gynäkologen nie ein Problem. Ich möchte damit nur zeigen, dass es beide Seiten gibt. Ich wünschte mir eine liebevolle Hebamme und bekam sie nicht. Ich bin meinem Gynäkologen bis heute unendlich dankbar. LG, Sabine

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    1. Liebe Sabine,

      in meinem Text geht es darum, dass eine gemeinsame Vorsorge Hand in Hand erfolgen sollte – also auch von Seiten der Hebamme! Es tut mir leid, dass das bei dir anscheinend nicht der Fall war.
      Insbesondere geht es mir auch um den Respekt vor den Entscheidungen der Schwangeren – egal ob von Hebamme oder Arzt. Da mache ich gar keine Unterschiede! Es gibt auf beiden Seiten „schwarze Schafe“, die nicht zum Wohl und im Sinne (im Wunsch) der Schwangeren handeln, sondern eigenmächtig Entscheidungen über deren Kopf hinweg treffen. Das geht gar nicht.
      Die fachliche Kompetenz einzelner beider Berufsgruppen steht noch mal auf einem ganz anderen Blatt… Ich kann dazu auch ein Liedchen singen ;-( …

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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        1. Bei mir war es immer ein Drama mit der Frauenärztin – nun bei der dritten!!! endlich scheine ich angekommen zu sein, bei einer Frau mit Herz, Fachkompetenz und dem Respekt vor meinen Entscheidungen. Das ist gold wert!
          Ich wünsche dir von Herzen, dass du ebensolch eine Hebamme finden mögest ❤

          Liebe Grüße
          Mother Birth

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