Dies und Das, Familie

„Schlaf doch, wenn das Baby schläft!“

Dieser Satz hat mich schon beim ersten Kind aufgeregt – nun aber lässt er meinen Puls schlagartig in die Höhe schnellen und ich werde wütend. Wütend über das Desinteresse der anderen, wütend über meine eigene Erschöpfung und meine deutlich spürbaren Grenzen, wütend darüber, dass es diesen unnützen Satz überhaupt gibt. Denn er impliziert:

Stell dich nicht so an, Babys schlafen doch eh den ganzen Tag, warum bist du also müde?! Musst doch einfach nur schlafen, wenn das Baby schläft!

Wenn dass nur so einfach wäre…

Morgens halb sechs in Deutschland…

…ich bin schon wach. Schon wach vor dem Wecker, der jeden verdammten Tag um 5:30 Uhr klingelt. Wach, weil der Schildnöck gestillt werden wollte, mir noch dringend etwas „erzählen“ musste und ich danach nicht zurück in den Schlaf finden konnte.

Der Radiowecker springt an. Musik dudelt leise vor sich hin. Alle Kinder schlafen.

Schlaf doch, wenn das Baby schläft…

Würde ich ja liebend gern, aber NotYet muss zur Schule. Schule schlägt Schlaf. Also raffe ich mich auf. Eine unfassbare, bleierne Müdigkeit macht es zu einem puren Akt der Willenskraft und ich frage mich, wie oft ich ihn noch gewinnen werde…

Ein Wahnsinn in 3 Akten

Um Punkt 7 Uhr MÜSSEN wir das Haus verlassen haben. Alle Brotdosen müssen gefüllt, alle Kinder angezogen und der Schildnöck noch mal gestillt worden sein. Soweit der Plan. In Wirklichkeit sieht es eher so aus:

Windel voll – noch schnell wechseln.

„Ich muss mal!“ – Jetzt aber mal schnell bitte!!!!

Wo zum Henker ist jetzt die Puppe, die BusyBee unbedingt mitnehmen will in den Kindergarten??? – Gefunden. Puh.

Alles beisammen? Ach ja, der Schildnöck! Irgendwann vergesse ich den noch mal – einfach zu ruhig, der Gute.

Alle ab nach draußen zum Auto. F**k! Ich habe doch tatsächlich meine Handtasche vergessen… Also erstmal alle Kinder anschnallen und dann noch mal reinhechten und sie holen.

Ein Wahnsinn in 3 Akten. Wie ich es trotzdem jeden Tag schaffe pünktlich loszukommen, wundert mich ehrlich gesagt selbst einwenig.

Auf geht die Fahrt

Auf Schleichwegen geht es Richtung Schule. Meine einzige reelle Chance dem morgendlichen Berufsverkehr zu entgehen. Dafür schleiche ich von einer 30er-Zone in die nächste. Eine Geduldsprobe für meine übermüdeten Nerven. Bei der Schule angekommen, ist zum Glück noch Totentanz auf dem Parkplatz. Noch… Alle Kinder ab- und die Trage umschnallen – der Schildnöck muss schließlich mit. Er schläft friedlich. Wie gern ich das jetzt auch täte… Ab zum Klassenraum – gerne auch im strömenden Regen mit Sturm. Norddeutsches Schietwedder halt. Das Regencover der Kumja-Jackenerweiterung ist im Dauereinsatz. Ich träume von Sonne, Liegestühlen und ein wenig Schlaf…

Kommando zurück, aber jetzt nur noch mit 2 Kindern im Schlepptau. Statt Totentanz erwartet mich die alltägliche Verkehrsimplosion. Ich mag jetzt schon nicht mehr und der Tag hat erst begonnen! Beide Kinder rein ins Auto, anschnallen und auf Richtung Kindergarten. Endlose Minuten verbringe ich allein dafür den Parkplatz verlassen zu können…

Ich denke an Schlaf, aber den bekommt hier nur der Schildnöck, der die Autofahrten ausgiebig nutzt für seine Schläfchen.

Schlaf doch, wenn das Baby schläft…

Klar, denke ich bitter. Das autonome Fahren kommt etwas spät für mich… und so gebe ich selbst Gas.

Ich könnte auch im Stehen einschlafen…

Nächster Halt: Kindergarten

Wir sind nun schon über eine Stunde unterwegs. Endlich kommen wir am Kindergarten an. BusyBee ist noch in der Eingewöhnungsphase, also braucht der Abschied auch seine Zeit. Zeit, in der der Schildnöck weiter selig im Auto schläft. ICH.WILL.AUCH.SCHLAF! Ich flehe innerlich darum, dass mein Baby doch bitte noch kurz zu Hause weiterschlafen möge. Tut es aber nicht. Nie.

Freizeit! – dass ich nicht lache…

Kaum sind wir durch die Haustür, schlägt der Schildnöck seine wunderbar blauen Augen auf und lächelt mich verschmitzt an. Wie kann man da böse sein? Böse bin ich aber über all diejenigen, die meinen, dass ich jetzt, da die Großen außer Haus sind, vormittags unendlich viel Zeit und Ruhe habe – ja fast dem Müßiggang frönen würde.

Es ist 8:30 Uhr. Ich war jetzt bereits 1,5 Stunden unterwegs wie jeden Morgen. Jetzt habe ich also „frei“. Frei für Sachen, die dringend erledigt werden müssen. Waschmaschine und Trockner an, schnell noch die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, einkaufen, Rückbildung, Arzttermine und was sonst noch so anfällt… Den WACHEN Schildnöck immer mit dabei – gerne auch im Tragetuch. Der Rücken lässt grüßen. Aber bloß keine Müdigkeit vorschützen, denn die Uhr tickt. Bald ist wieder Abholzeit…

Abholzeit – ist so weit…

Nach meiner 3-stündigen Freizeit – Achtung Ironie – und nach der vormittäglichen 3-stündigen Wachzeit des Schildnöcks muss ich wieder los. Meine Kinder abholen. Es ist 11:30 Uhr. Wir sitzen wieder im Auto und machen uns auf den Weg zum Kindergarten. Wenn ich Glück habe, ist der Schildnöck auf der kurzen Stecke schon völlig übermüdet eingeschlafen. Er war ja schließlich schon 3 Stunden am Stück wach… Ansonsten muss er mit. Mies gelaunt, weinend und vor sich hin pöbelnd.

BusyBee hüpft vor mir auf und ab. Sie ist völlig aufgedreht. Jetzt muss ich es schaffen sie irgendwie ins Auto zu verfrachten. Wir müssen weiter – zur Schule. Trotzdem brauche ich Zeit. Zeit um auf meine Tochter eingehen zu können. Ihre Bedürfnisse zu sehen und ihr die Beachtung zu schenken, die sie verdient. Deshalb plane ich die Abholzeit für sie auch immer etwas großzügiger ein. Bewusst. Gut für sie – stressiger für mich.

Weiter gehts zur Schule. Abermals Parkplatzsuche. Nicht so katastrophal wie morgens, aber immer noch genügend Chaos. Und da steht wieder ein Auto im absoluten Halteverbot. Das Verkehrschaos ist vorprogrammiert. Ich vertage die Gedanken daran auf später. Erstmal alle Kinder ausladen – schlafenden Schildnöck in die Trage, übermüdete BusyBee hinter mir her schleifend Richtung Klassenraum.

Auf gehts nach Hause!

ENDLICH! Ich atme tief durch. Endlich sitzen alle Kinder angeschnallt im Auto. Jetzt nur noch das Verkehrschaos umschiffen, dass das falsch geparkte Auto unweigerlich ausgelöst hat. Es wird gehupt, aufgeregt und rangiert. Ich warte. Habe keine Energie, die ich verschwenden kann. Keine Kraft, um mich künstlich aufzuregen. Ich nehme es hin. Ich kann es eh nicht ändern.

Trotzdem drängt sich ein genervter Gedanke in mein Bewusstsein: wenn es noch länger dauert, hat der Schildnöck zu Hause schon wieder ausgeschlafen… Nachdem ich BusyBee in ihren wohlverdienten Mittagsschlaf begleitet habe, höre ich schon die zarten, fröhlichen Laute des Schildnöcks durchs Haus schallen. Sie reißen mich aus meinen Tagträumereien. Ich malte mir aus, wie ich nur kurz hier liegen bleiben kann neben der friedlich schlafenden BusyBee – nur ganz kurz die Augen ausruhen, sie schließen darf, etwas dösen, nicht viel… aber dieser Traum platzt genau in diesem Moment. Ich raffe mich auf. Das Strahlen, mit dem mich der Schildnöck empfängt, entschädigt für den Schlafmangel – noch…

Schlaf doch, wenn das Baby schläft…

rückt in immer weitere Ferne. Für mich zumindest.

Schlaflos in Norddeutschland

Meine Lider werden immer schwerer und ich sehne den Punkt des Tages herbei, an dem ALLE Kinder schlafen – alle gleichzeitig -, damit ich es endlich auch tun kann. Schlafen. Wenn ich Glück habe, dann ist es um 21 Uhr „schon“ so weit. Wenn ich Pech habe, stille ich um 22:30 Uhr noch fleißig vor mich hin. Mittlerweile in einem deliriumartigen Zustand der geistigen Totalumnachtung. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Gedankenfetzen entgleiten mir. Sie sind flüchtig und ich lasse sie ziehen.

Ein gutes Buch lesen am Abend um „runter zu kommen“ erscheint mir in diesen Augenblicken wie ein Trugbild aus einer längst vergangenen Zeit. Dinge, die ich nicht mehr tun werde. Zumindest zur Zeit nicht mehr. Ich bin zu erschöpft dafür. Kann mich kaum auf die Zeilen konzentrieren. Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Der Inhalt erreicht mein Gehirn nicht – ich lese aber ich verstehe nichts. Ich lass es. Es hat keinen Sinn. Ich brauche Schlaf. Dringend.

Die Nacht bietet leider auch keine wirkliche Erholung für mich, auch wenn das Baby natürlich schläft, aber eben nicht so, wie ich es gern würde – nämlich durch! Ich falle in einen unruhigen durch Stillmahlzeiten unterbrochenen Schlaf, der wieder viel zu früh enden wird – wie jeden Tag.

Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann…

Irgendwo ganz tief in meinen Inneren weiß ich, dass es sich noch einspielen wird. Dass wir uns noch einfinden müssen in den neuen Alltag. Irgendwann wird der Schildnöck mir mehr Schlaf erlauben, irgendwann wird NotYet auch mit Fahrgemeinschaften zur Schule kommen oder zumindest selbstständig zur Warteklasse gehen können, irgendwann wird BusyBee nicht so erschöpft sein vom Kindergartenalltag, dass sie dort auch mal Mittagessen kann. Dann wird sich vieles entzerren, mir mehr Luft und Zeit geben. Aber es ist noch nicht soweit und so lange muss ich noch durchhalten. Irgendwie. Irgendwie schaffe ich es immer wieder aufs Neue mein durch Schlafmangel fadenscheinig gewordenes Nervenkostüm über den Tag zu retten, denn ich weiß wofür ich es tue – für meine Kinder.

Und solange es noch ist, wie es ist – bin ich halt so…

 

 

*EURE MOTHER BIRTH*

 

#Alltagswahnsinn #Baby #Erschöpfung #Kinder #Kindergarten #müde #Müdigkeit #momof3 #Schlafen #schlaflos #Schlafmangel #Schule #teamnosleep

 

 

 

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17 thoughts on “„Schlaf doch, wenn das Baby schläft!“”

    1. Eine helfende Hand gibt es hier nicht.
      Und mein Mann ist unter der Woche beruflich fast immer unterwegs, so dass er in diesem kleinen Alltag-Szenario keine Rolle einnimmt.
      Wochentags stemme ich den Alltag allein, aber alleinerziehend bin ich nicht.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  1. Liebe Andrea,
    Ist. Das. Krass.
    Ich muss ordentlich schlucken. Meinen allergrößten Respekt! Wahnsinn. Wirklich Wahnsinn. Ich drücke Für die Daumen für viele 21-Uhr-Abende. Und dass es bald besser wird!!
    Alles Liebe,
    Mo
    P. S. Auf was für einer Schule ist NotYet? und wie war der Start für ihn?

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Mo ❤

      Ich bin selbst erstaunt, wie ich das täglich meistere und trotzdem noch glücklich und zufrieden bin 😉 – außer halt müde…

      NotYet ist hat der hiesigen Waldorfschule. Er ist einer Klasse mit flexibler Eingangsstufe – 14 Kinder, 2 Leserinnen. Ein Traum ❤ Ihm gefällt es dort sehr gut, hat gleich Anschluss gefunden und hat in seiner Entwicklung einen gewaltigen Sprung in Richtung Selbstständigkeit gemacht. Ich bin wirklich beeindruckt davon.
      Der Herzensmann und ich hätten uns gewünscht auch auf so eine tolle Schule gehen zu dürfen.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  2. Toller Artikel! Sooo wahr und so wunderbar anschaulich dargestellt. Habe zwar erst ein Kind, das Zweite ist auf denn weg. Und trotzdem ist die Zeit jetzt schon unglaublich knapp. Wenn ich mich jetzt in der Schwangerschaft öfters mal mit zum Mittagsschlaf hinlege, dann bleibt halt alles andere liegen, denn mein Sohn braucht, wenn er wach ist, unglaublich viel Aufmerksamkeit.
    Ich bin gespannt, wie es mit zwei kleinen Mäusen wird und habe großen Respekt an alle Mehrfach-Mamis, die den Alltag so bravourös meistern!!!
    Mein Dauer-Mantra bereits jetzt mit einem Kind: „Es ist nur eine Phase, bald wird wieder alles anders sein.“ 😉 Viele liebe Grüße,
    Ann-Katrin

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ann-Katrin,

      es ist immer nur eine Phase… und danach kommt die nächste 😉 Meist haben es die Kinder auch unglaublich gut drauf fiese Phasen und Schübe zu kombinieren… :-/

      Dieses mittägliche Mithinlegen habe ich unglaublich in der 3. Schwangerschaft vermisst und ich hätte es da schon so nötig gehabt.
      Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für die weitere Schwangerschaft und eine selbstbestimmte Geburt.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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  3. Liebe Andrea,
    ich bin bei diesem Artikel absolut bei dir! Wie oft durfte ich mir diesen einen, kleinen Satz schon anhören. Dieser eine Satz, der so viel negatives mit sich führt. Ein Satz der einen als Mama und als Mensch herabsetz. Er ist respektlos und meilenweit von Feinfühligkeit entfernt. Ich bin zwar erst 2-fach Mama, aber da sich mein Schmatzipuffer als Baby nie ablegen lies und nach einem Jahr auch den Mittagsschlaf abschaffte, bekam und bekomme ich nie Schlaf, wenn das Baby schläft. Mittlerweile habe ich mich an den wenigen Schlaf gewöhnt und die Nächte wo ich etwas mehr Schlaf bekomme helfen mir etwas über den Schlafmangel hinweg. Sie sind nur leider an einer Hand abzuzählen.
    Ich wünsche dir baldigst Besserung und Entlastung und so lange, will ich dir sagen: Du bist eine tolle Mama, ein wunderbarer Mensch und eine Kämpferin. Du schaffst das und hast meinen größten Respekt, Bewunderung und die Liebe deiner Kinder für dein selbstloses Handeln! ❤

    Liebe Grüße, deine
    Kathi

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    1. Liebe Kathi,

      vielen lieben Dank für deine Worte. Sie tun gut und bestärken mich weiter zu machen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann leichter wird und ich wieder mehr Schlaf bekomme.
      Es wird schon – nur es wird noch dauern… Bis dahin baue ich auf die liebe seelische Unterstützung aus dem Netz von euch allen – meinem Online-Clan ❤

      Liebe Grüße
      Andrea

      Gefällt 1 Person

  4. Oh je- das hört sich ja ganz schön anstrengend an bei Euch!! Ich habe zum Thema Schlafen auch gerade einen Artikel geschrieben. Allerdings sehen bei uns die Wochentage etwas entspannter aus, da die beiden Großen in der Kita sind und dort bis 15.30 bleiben. Und das gerne! Natürlich sind sie abends platt, aber für mich persönlich ist es sehr schön, die Stunden vormittags für den Kleinen, den Haushalt, Erledigungen etc. zu haben. Nachts bin ich dafür so gut wie stündlich wach…Alles Liebe und halte durch!!
    P.S. Wie alt ist Dein Kitamädchen?

    Gefällt 2 Personen

Hinterlasst mir hier gerne einen Kommentar! Ich würde mich sehr darüber freuen <3

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