Geburt

INTRAversion – Grenzen überschreiten, eine neue Dimension betreten

Jetzt kommt wirklich der letzte Teil der Geburtsberichtstrilogie („INTRAversion – eine Reise zu mir selbst“„INTRAversion – weit weg in einer anderen Welt“). Ich hatte wirklich keine Ahnung, welche Grenzen sich überschreiten werde und in welche fernen und unbekannten Welten mich diese Geburtsreise noch führen sollte. Ich war schlichtweg: ahnungslos.

Eine mini kleine Hypnobirthing-Sprach-Kunde 😉 :

pressen – hinausatmen

Von Geparden und kleinen Mädchen

Es passierte plötzlich etwas wirklich, wirklich Unglaubliches, aber es hat sich tatsächlich genau SO zugetragen! Das könnt ihr mir glauben.

Die Szene spielt sich in meiner Gebärmutter ab (schon allein das ist absolut schräg 😉 ). Vor meinem geistigen Auge sehe ich: MICH! – als kleines Mädchen. Blonde Zöpfe, die von roten Schleifen gehalten werden. Akkurates rotes Kleidchen mit weißen Punkten, rote Lackschuhe und makellose weiße Kniestrümpfe. Vor mir befindet sich ein riesiger Käfig. Darin steht ein Gepard: ausgewachsen, furchteinflößend und gefährlich – ein Raubtier. Wild und ungezähmt. Die Tür des Käfigs ist zum Glück mit einem großen Vorhängeschloss gesichert. Ich halte den Schlüssel in Händen. Der Gepard kann sprechen, was mich ein wenig wundert… 😉 Er sagt mir aka dem kleinen Mädchen, dass er freigelassen werden muss. Das kleine Mädchen will nicht, schüttelt vehement den Kopf: „Meine Mutter hat es mir verboten. Sie sagt, dass es viel zu gefährlich ist! Du wirst mir weh tun.“ Der Gepard verspricht dem Mädchen ihr nichts zu tun, aber sie vertraut ihm nicht. Glaubt an eine Falle, an eine Täuschung, an einen Trick, so wie es ihr immer eingebläut wurde. Alles in ihr sträubt sich diesem lebensgefährlichen Tier blind links zu vertrauen. Was, wenn ihre Gutgläubigkeit ausgenutzt wird? Sie hadert mit sich. Wägt ab. Geht in sich. Der Gepard spricht mit ruhiger Stimme weiter: „Ich will dir nichts tun. Wirklich! Ich will nur meine Freiheit wiedererlangen. Hilf mir dabei!“ Das kleine Mädchen schaut dem Tier direkt in die Augen: „Und was passiert dann, wenn ich die Käfigtür öffne und dich freilasse?“ Die Großkatze legt den Kopf schief und schaut verwundert: „Ich werde natürlich verschwinden. Fortlaufen. Meine Freiheit genießen.“ Das kleine Mädchen zögert, ringt innerlich mit sich, will dem Geparden Glauben schenken. Dann gibt sie sich einen Ruck, steckt den Schlüssel ins Schloss, dreht ihn um und öffnet vorsichtig die große Käfigtür. Etwas ängstlich versteckt sich das kleine Mädchen vorsichtshalber hinter der geöffneten Tür, aber der Gepard hat kein Interesse an ihr. Er will nur fort, weit weg von dem Käfig und seiner Gefangenschaft. Er wendet sich nicht einmal mehr um. Das kleine Mädchen blickt ihm hinterher, schaut wie er am Horizont verschwindet und fühlt sich unerklärlicher weise erleichtert. Dann endet die Szene abrupt vor meinem geistigen Auge.

Diese kleine Geburtsparabel wird sicher einige unter euch Psychologen schmunzeln lassen 😉 … Aber sie zeigt deutlich, welche Entscheidungsprozesse sich in meinem Kopf – in meinen Inneren – während der Übergangsphase abspielten. Ich habe mich dazu entschlossen alte, antrainierte Verhaltensmuster zu durchbrechen, etwas zu wagen, loszulassen, ohne zu wissen, was dann wirklich passieren wird. Meine Mutter prägte in mir ein Bild von Geburt, in dem die Frau still erdulden und erleiden muss: nicht schreien, keinen Schmerz anmerken lassen, immer schön angepasst und bequem – für andere. Ich habe mich von dieser begrenzenden und einengenden Vorstellung befreit, indem ich das nicht domestizierte Raubtier in mir frei und gewähren ließ. Ich habe meine geistigen Begrenzungen gesprengt und konnte über sie hinaus gehen, mich öffnen für die gesamte mögliche Spektrum des Geburtserlebens. Ich habe den Aufbruch zu neuen Welten gewagt und wurde belohnt.

Die Logik mit dem Gebärhocker

Kaum war die surreale Szene der Geburtsparabel beendet, hatte BusyBee auch schon das Becken passiert. Ich spürte es deutlich: sie will geboren werden! Jetzt! Unverzüglich! Sie drängte unaufhaltsam ans Licht der Welt – schnell, unerschrocken und kompromisslos. Ich selbst werde ungeduldig und herrisch. Befinde mich in meinem Grenzzustand, begreife nicht mehr, dass meine Zuschauer nicht auf dem aktuellen Stand des Geburtsfortschrittes sind und bin es eigentlich leid mich erklären zu müssen. Ich will meine Position ändern, möchte auf den Gebärhocker wechseln. Aber wo ist der? Ich werde sauer, ungehalten und fahre die Hebamme und den Herzensmann an: „Ich brauch JETZT sofort den Hocker! Das ist doch logisch! So habe ich es doch auch zu Hause geübt…“  Es fällt mir unglaublich schwer Worte zu bilden, ringe meinem Kopf jede einzelne Silbe ab. Scheinbar wurde mein Sprachzentrum vom restliche Gehirn abgekoppelt. Ich kann nur noch den Kopf schütteln – verstehe meine Außenwelt nicht mehr. Bin zu sehr in meiner eigenen kleine Geburtsrealität verhaftet. Für mich war alles so unglaublich logisch: ich hatte zu Hause in der Schwangerschaft das Hinausatmen (ja, beim Hypnobirthing presst man nicht, sondern atmet das Kind hinaus 🙂 ) meines Kindes auf unserer Toilette „trainiert“. Was jetzt dem Toilettensitz am nächsten kam, war ja schließlich der Gebärhocker. Für mich eine absolute logische Verknüpfung, für die anderen leider nicht 😉 . Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis ich endlich auf dem Hocker Platz nehmen kann. Der Herzensmann sitzt hinter mir, ich lehne mich zurück, fange an meine Geburtsatmung zu machen und vergesse – ALLES.

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Meine Urweiblichkeit

Geburtslust oder die unbekannte Dimension

Ich gehe noch weiter weg aus der realen Welt, kappe jetzt alle Verbindungen und lasse  vollständig los. Ein wundervoll befreiendes Gefühl – fast wie schweben. Ich fühle mich schwerelos, treibe ohne Zeit und Raum dahin. Genau dieses Gefühl ist für mich der Inbegriff von absoluter FREIHEIT! Ich konzentriere mich jetzt nur noch auf meine Atmung: ziehe die Luft durch die Nase ein und schiebe sie hinunter zu meinem Kind. Ich visualisiere meinen Wohlfühlort, den ich während der Schwangerschaft kreiert habe:

Ich höre die Wellen rauschen, rieche den salzigen Duft des Meeres, spüre den Sand unter meinen Füßen und die Wärme der Sonne auf meiner Haut. Ich sehe mich an einem einsamen Strand – eine Bucht von hohen Felsen umschlossen. Ich sitze in einem Liegestuhl. Mich durchströmt ein allumfassender innerer Frieden. Ich registriere einen Windhauch. Dieser war in Wirklichkeit die Sauerstoffmaske, die mir von der Hebamme aufgesetzt wurde, da ich anscheinend sehr abwesend wirkte – aber aus anderen Gründen, als die Hebamme annahm… 😉

BusyBee macht sich auf den letzten Teil ihrer Reise. Was dann geschah, ist für mich bis heute surreal: ich spürte eine ekstatische Lust?! – #Geburtslust – in mir aufsteigen. Zuerst war ich verwundert und erstaunt. Kann das sein, dass ich so etwas wie Lust bei der Geburt empfinde? Ist das überhaupt möglich? Darf man das? Auf die Möglichkeit einer schmerzfreien Geburt hatte ich mich durch Hypnobirthing ja schon mal vorbereitet. Aber lustvoll? Davon war nie die Rede gewesen! Bilde ich mir das alles nur ein? Eine „Nebenwirkung“ der Selbsthypnose? Aber warum machte ich mir hier diese Gedanken? Warum genoss ich nicht einfach diese Wellen der Lust, die immer intensiver wurden?! Ich beschloss nichts mehr zu hinterfragen, sondern nur noch zu spüren. Ich fing deshalb endlich an das langsame Herausgleiten des Kindes zu genießen. Ein allumfassendes berauschendes Glücks- und Lustgefühl erfasste mich und trug mich fort. Es ist unbeschreiblich gewesen. Dann drang in diesen wirklich perfekten Moment die Stimme der Hebamme zu mir durch: sie sagte, dass ich mitschieben könnte – ich dachte: die ist ja verrückt, dann geht es ja schneller vorbei!!! Ich wollte, dass es nicht endet. Bei der Geburt des Kopfes erlebte ich einen lustvoll-ekstatischen Orgasmus. Meine ersten Worte sagen wohl alles: „Ich könnte sofort wieder!“ Alle schauten mich völlig verdutzt an. Ich schwieg erstmal. Schmerzfrei UND lustvoll – das hat meine künsten Erwartungen an meine zweite Geburt bei weitem überstiegen. Freude – nicht enden wollende Freude erfüllte mich -erfüllt mich bis heute. Dankbarkeit.

Angekommen – bei mir

Wir kuschelten uns alle zusammen auf das Gebärbett und ließen die Nabelschnur auspulsieren. Mein Glücksgefühl war grenzenlos. Ich hatte es geschafft: ICH habe geboren- aktiv, selbstbestimmt, kraftvoll. Bonding, Stillen, Kennenlernen – so viele erste Male ❤ Die Hebammen zogen sich respektvoll zurück, ließen uns Raum und genügend Zeit. Die Plazenta lies allerdings auf sich warten. Nach 1,5 Stunden wurde mir angeraten auf Toilette zu gehen, um meine Blase zu entleeren oder aber mir einen Katheter legen zu lassen. Der Gedanke an einen Blasenkatheter triggerte mich sofort #ausgründen . Ich lehnte diese Option schlichtweg ab. Auch die Variante der Toilette fühlte sich irgendwie falsch an. Deshalb horchte ich in meinen Körper hinein – er hatte mir heute immer den richtigen Weg gewiesen, auch abseits der ausgetretenen Pfade. Plötzlich erscheint mir nur eine Lösung logisch und sinnvoll: der Gebärhocker! Ich verkündete also, dass ich die Plazenta da gebären werde, wo ich auch schon mein Kind geboren habe. Kaum saß ich wieder auf dem Hocker, schon begannen die Wehen von neuem. Ein leichtes Lächeln bereitet sich auf meinem Mund aus – ich hatte mal wieder Recht! Kurze Zeit später war die Plazenta geboren. Auch sie wurde von mir hinausgeatmet #Hypnobirthing . Ich glaube bis heute daran, dass sich die Geburt der Plazenta aus zwei Gründen „verzögerte“:

  1. damit ich genügend ungestörte Zeit zum Bonding, Stillen und Kennenlernen hatte und
  2. dass sich mein Körper Ruhe gönnte. Vielleicht auch wegen der größeren Geburtsverletzung (Dammriss 3. Grades) – BusyBee wollte wie #Superwoman mit der Faust voraus hinausflattern und brauchte einfach etwas mehr Platz für ihren großen Auftritt 😉 ❤

Dieser Tag hat mich eins gelehrt: ich kann meinem Körper, meinem Geist und meinem Instinkt bedingungslos vertrauen. Sie arbeiten auf wundervolle Weise zusammen. Ihnen gemeinsam wohnt eine Weisheit inne, die ich vorher nie genug zu schätzen gewußt habe. Jetzt tue ich es!

*EURE MOTHER BIRTH*

Es wird einen Bonus aka Extra geben: der Herzensmann wird die Geburt von BusyBee als EXTRAversion aus seiner Sicht beschreiben. Eine Sicht von Außen, als Beobachter, aber auch als Mann, als werdender Vater. Seid gespannt: zwei unterschiedliche Blickwinkel auf ein und dieselbe Geburt, aber doch sehr unterschiedlich.

#Geburt #Geburtshaus #Hypnobirthing #Geburtslust #Orgasmus #schmerzfrei #lustvoll #selbstbestimmt 

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15 thoughts on “INTRAversion – Grenzen überschreiten, eine neue Dimension betreten”

  1. Liebe Motherbirth.
    Ich hab alle drei Berichte mit Spannung gelesen und musste sie aber erstmal wirken lassen.
    Das Positive schwingt förmlich mit. Hoffentlich lassen sich viele davon anstecken. 😊
    Ich sag es immer wieder. Du bist eine starke Frau. 💛
    Liebe Grüße, Anita

    Gefällt 1 Person

    1. Danke du Liebe! Du schaffst es immer wieder, dass ich lächeln muss 🙂
      Ich hoffe auch, dass sie einige Frauen davon inspirieren lassen, auch wenn mir bewusst ist, dass mein Bericht etwas esoterisch angehaucht wirkt, obwohl ich es überhaupt nicht bin. Vielleicht bringt der Text des Herzensmannes dies wieder ins Gleichgewicht.

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      Gefällt 1 Person

  2. Endlich hatte ich die nötige Ruhe, dies zu lesen. Danke fürs Teil haben lassen!
    Auch ohne Hypnobirthing war meine 2. Geburt auch wesentlich besser als meine 1., eben auch selbstbestimmt! Die Hebamme machte anfänglich noch Vorschläge, die ich ablehnte & dann ließ sich mich „mein Ding“ machen. Berauschend! Wenn auch nicht in den Ausmaße wie bei Dir.

    Gefällt 1 Person

  3. Sehr schön. Ich hab die Angst vor der Geburt der anderen Mütter im Vorbereitungskurs nie verstanden. Ich wollte mein Kind kennenlernen und freute mich auf die Geburt. Ich war absolut entspannt, konzentrierte mich auch meine Atmung und innerhalb drei Stunden wurde der Große und in nicht mal ganz einer Stunde die Kleine geboren.
    Und ich kann auch der Aussage: „Wenn man das Kind auf dem Bauch hat, ist alles vergessen“ nicht zustimmen. Ich erinner mich an den Druck des Köpfchens und das Gefühl als die Kinder geboren wurden und das ist auch gut so.

    Liebe Grüße, Heike

    Gefällt 1 Person

    1. Ich finde das Bild, dass man als Frau die schlimme Geburt durchleiden muss, um dann endlich das Kind in Händen zu halten, sollte gerade gerückt werden! Die Geburt ist ein FEST, das man feiern sollte und an das man sich bitte unbedingt erinnern muss, da es der allererste GEBURTstag des Kindes ist 😉 ❤
      Ich finde deine Einstellung wunderbar!!! Wir müssen unsere Überzeugungen nach außen tragen und andere Frauen inspirieren, um wieder positiver und freudiger an die Geburt heranzugehen. Für eine #positive Geburtskultur

      Liebe Grüße
      Mother Birth

      Gefällt 1 Person

    1. Ich danke die für dein Lob ❤ !!! Ich war etwas unsicher gewesen wegen dem Thema: Geburtslust. Hatte im RL einige sehr negative und beleidigende Stimmen gehabt. Hatte befürchtet, dass es im Internet ähnlich ist, aber ich bin wirklich positiv überrascht, wie toll alle auf meinen Geburtsbericht reagiert haben. #dankbar
      Schwangere sollten sowieso nur gute und positive Berichte lesen 😉 … also freue ich mich, wenn ich dich mit meiner Geschichte etwas verzaubern konnte ❤ !
      Denkst du eigentlich immer noch über eine Hausgeburt nach?

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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