Mother Birth, Stillen

Muttierung – Teil 1 – #Stillen

Die Mutierung einer Mutter – Muttierung

Wie ich ja schon im Beitrag „Mother Birth – Was es für mich bedeutet“ erwähnt habe, hat die traumatische Geburtserfahrung bei NotYet den Anstoß dazu gegeben, dass ich meine jahrelang kritiklos hingenommenen Ansichten zu hinterfragen und sie grundlegend auf den Prüfstand zu stellen begann. Ich warf alte Glaubensgrundsätze über Bord, änderte meine Meinung um 180° Grad und suchte nach eigenen, individuellen Lösungswegen. Meinem Umfeld ging diese doch sehr umfassende Muttierung zu schnell, zu weit, vielleicht war sie auch zu krass?! 😉 Ich weis es nicht so genau – vermutlich ist es mir auch egal. Die Menschen, die mir wirklich wichtig waren, haben nach der ersten Irritation verstanden worum es mir geht und warum es sein muss! Die Verwandlung brachte mich näher zu mir selbst. Näher als je zuvor, würde ich behaupten. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich in meiner Haut wirklich wohl –  angekommen bei mir selbst. Vollkommen.

Aber nun erstmal von vorne. Von wo kam ich und wo stehe ich jetzt?

Stillen

Stillen oder nicht stillen ist hier die Frage…

Während der Schwangerschaft war ich mir wirklich nicht sicher, ob ich stillen wollte. Dass ich es versuchen würde, hatte ich meiner Mutter versprochen – eher halbherzig, muss ich zugeben. Im Hinterkopf hatte ich immer den Gedanken von naja: Flexibilität, Flasche und Milchpulver – warum auch nicht?! Und dann kam NotYet. Tja, was soll ich sagen; es kam ganz anders als gedacht. NotYet wurde direkt nach der Geburt für 48 Stunden auf die Kinderintensivstation verlegt. Mir wurde in der Zeit nicht die Möglichkeit gegeben ihn zu stillen. Die Milchpumpe bekam ich auch  erst nach einem penetranten Nachfragemarathon – 24 Stunden nach der Sectio!!!! – auf mein Zimmer gebracht. Da war ich schon so sauer und trotzig, dass ich nun unbedingt anfangen wollte zu stillen! Ich fing an zu pumpen, was mir überhaupt nicht lag. Als der Herzensmann mir aber berichtete, dass NotYet mit so viel mehr Begeisterung MEINE Milch trank, als die Säuglingsnahrung, die er davor bekam, war ich nun sicher: ich will es unbedingt mit dem Stillen probieren! Dann endlich nach quälend langen 2 Tagen durfte mein Baby endlich zu mir. Das erste was ich machte: ich legte ihn an – wie selbstverständlich. Es war wundervoll! Wir harmonierten von der ersten Minute an beim Stillen. Es war, als wenn wir es schon ewig so gemacht hätten – ein eingespieltes Team. Das Gefühl war unbeschreiblich. Es war, glaube ich, die erste hauchzarte Verbindung, die wir wieder aufbauen konnten. Das Stillen hat uns beiden in der ersten Zeit nach der traumatischen Geburt inneren Frieden geschenkt – eine Insel der Zuflucht geschaffen.

Tandem-Langzeitstill-Mama

Nun stille ich ihn seit 4,5 Jahren. Hätte mir das damals jemand gesagt; ich hätte vermutlich geantwortet: „Du bist ja völlig verrückt – so etwas macht man doch nicht und ICH schon gar nicht…!“ Zuerst ging meine Vorstellungskraft nur so weit, dass ich 6 Monate voll stillen und dann etwa mit 1 Jahr abstillen wollte. Es wurden 2 Jahre – ich wurde schwanger mit BusyBee – ich gebar sie und ehe ich mich versah, war ich doch tatsächlich eine Tandem-Langzeitstill-Mama! Es fühlt sich für mich stimmig an, so wie es ist. Ich glaube daran, dass NotYet und BusyBee sich selbständig abstillen werden – ohne mein Eingreifen. Die Zeit, die sie brauchen, werde ich ihnen geben. Sie sind nicht außergewöhnlich oder seltsam, indem was sie tun – es ist nur in unserer Gesellschaft außergewöhnlich geworden, dass eine Stillbeziehung so lange andauert.

Selbstbestimmtes Abstillen

Wenn Kinder den Abstillzeitpunkt selbst bestimmen können, liegt die natürliche Stilldauer beim Menschen etwa bei 2,5 bis 7 Jahren – und Tandemstillen von bis zu zwei Geschwisterkindern zusätzlich zum Baby ist problemlos möglich, auch wenn diese Praxis ebenfalls nicht mehr weit verbreitet ist.

Wie war es bei euch? Habt ihr eure Einstellungen auch revidiert und eure ganz eigene Muttierung durchgemacht?

*EURE MOTHERBIRTH*

Im 2. Teil der Mini-Serie „Muttierung“ will ich euch über meine Kehrtwende bei der Wahl des Geburtsortes berichten.

#Stillen #Kinder #Mutterschaft #Ansichten #Neuorientierung

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11 thoughts on “Muttierung – Teil 1 – #Stillen”

  1. So schön und innig habe ich mir unsere Stillbeziehung auch vorgestellt, aber wie das Leben so spielt. Nach Aufenthalt auf der Intensivstation meines Babys, Ausschabung meiner Gebärmutter, unzählige verschiedenste Meinungen der Krankenschwestern zum Thena Stillen, hatten wir es sehr schwer und erstaunlicherweise gibt es nur sehr wenig positive Meldungen bzw Motivation zum Thema Flaschenernährung. Ein riesiges Tabuthema und nur wenig im Internet darüber zu finden. Das lies mich alleine und traurig zurück. Ich wollte nichts mehr, als meinem Sohn das Beste zukommen zu lassen, aber nicht um jeden Preis. Ich hatte große Angst um meine mentale Gesundheit. Im Krankenhaus haben mir zig Schwestern immer andere Dinge zum Stillen gezeigt, ich könnte meinen Rhythmus nicht finden, zu mal ich als Wöchnerin auch sehr schwach war, jedoch keine Hilfe bekam. Mein erstes Kind und alles aufeinmal alleine meistern, war etwas zu viel für mich. So mussten wir zufüttern. Das würde in den vier Tagen auf Intensiv selbstverständlich gemacht und erst durch viele Gespräche mit meiner Hebamme, meinem Mann, mit verständnisvollen Menschen und zu guter Letzt mit mir, konnte ich wieder Mut fassen, um das Stillen eine Chance zu geben, aber immer unter dem Zeichen, nicht um jeden Preis !!!
    Mir fehlt zu oft dass es auch ok ist, nicht stillen zu können oder zu wollen.
    Jetzt ist er fünf Wochen alt und wir sind immer noch nicht perfekt, aber vielleicht auf dem guten Weg. Und was ist schon perfekt. Wichtig ist letztlich die Liebe zueinander zum Kind und zu sich selbst.

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Caroline,

      es tut mir für dich sehr leid, dein Wunsch dein Kind zu stillen nicht so in Erfüllung gegangenes, wie du es dir erhofft hast. Ich hoffe, du begreifst meinen Blogbeitrag nicht als Kritik an Flaschen-Mamas!? Denn so ist er nicht gemeint. Es ist ein sehr persönlicher und individueller Erfahrungsbericht – von mir. Ich bin ins Stillen irgendwie reingerutscht – fast so wie du ins Flasche geben 😉 Wir hatten einen anderen Plan, aber manchmal kommt das Leben dazwischen. Das wichtigste ist doch, dass ihr eine wunderbare Mutter-Kind-beziehung habt. Die hatte ich nicht – nur das Stillen. Wie gesagt unsere Insel der Zuflucht. Mein Sohn hat mich ein ganzes Jahr abgelehnt nach der schwer traumatisierenden Geburt – nur eben nicht beim Stillen. Das war mein Rettungsanker – mein persönlicher. Ohne Wertung, ob Flasche oder Brust besser oder schlechter fürs Kind ist.

      Ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute ❤

      Liebe Grüße
      Mother Birth

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      1. Nein… Dein schöner Artikel kritisiert nicht das Zufüttern. Ich wollte auch nur meine Erfahrung mitteilen. Es ist jetzt die zweite Nacht, in der ich versuche geduldig zu stillen, ohne die Flasche😀. Es scheint zu klappen. Dir alles Liebe…

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        1. Das freut mich zu hören. Ich werde dir die Daumen drücken, dass es vielleicht doch noch mit deinem Traum nach dem Stillen klappt ❤ Lasst euch Zeit, sei geduldig – eine Stillbeziehung muss auch erst mal wachsen 😉 . Falls du Fragen hast oder Tipp haben möchtest, kannst du mich gerne per e-mail kontaktieren. ❤
          motherbirth@gmx.de

          Liebe Grüße
          Mother Birth

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    1. Ja, solche Wortspiele bergen die Gefahr, dass nicht alle das gleiche darin erkennen… Deine Leseweise ist aber auch sehr süß 😉
      Ich freue mich wieder, von dir so eine positive Rückmeldung zu meinem Text bekommen zu haben. Danke!

      Ganz liebe Grüße
      Mother Birth

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      1. Bei mir war es ähnlich.
        Hätte mir davor auch im Leben nicht vorstellen können jahrelang zu stillen- aber so Vieles ändert sich auf wunderbare Weise als Mutter, wenn wir nur unserem Instink folgen!
        Auch hat meine Tochter nicht eine Nacht in ihrem Kinderzimmer geschlafen.., am Tag habe ich sie die meiste Zeit getragen- Wie eine Tiermama – um dieses ursprüngliche Gespür geht es- wir müssen lernen ihm wieder zu folgen!
        Alles Gute und liebe Grüße Nanna
        ps:
        Wir sind nicht Langzeitstillmamis sondern die, die nur einige Monate stillen sind die Kurzzeitstillmamis 😉

        Gefällt 1 Person

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